Matagalpa

Hier dominiert der Anbau von Kaffee, welcher erstmals im 19. Jahrhundert von deutschen Auswanderern (insb. Katharina Braun) erfolgreich kultiviert wurde. Die ganz Stadt ist von Plantagen umgeben. Doch hier wächst das schwarze Gold nicht in öder Monokultur, sondern mitten im Wald. Davon haben wir uns während zweier Wanderungen überzeugen können. Im ‘Centro Girasol’ in Matagalpa kann man sich nämlich  fünf verschiedene Wanderwegbeschreibungen samt Karten für je 30 Cordoba (ca. 0,90 €) kaufen und so die Gegend erkunden.

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Hier treffen wir zufällig Verena und Basti wieder, denen wir in der Somotoschlucht schon mal über den Weg gelaufen sind. Wir kommen im selben Hostel unter und verabreden uns Samstagnachmittag gemeinsam die Schokoladenfabrik zu besuchen. Da diese nicht wie im Reiseführer angekündigt jeden Nachmittag aufhat, und Führungen am besten vormittags von Dienstag bis Samstag unternommen werden sollen (sonst sieht man die Produktion nicht), kosten und kaufen wir einfach nur Schokolade. Auf dem Rückweg in die Stadt beschließen dem Tag noch einen Sinn zu geben, zusammen ein paar Bier zu trinken und gemeinsam Essen zu gehen. Eine gute Alternative 🙂

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Somotoschlucht

Von Estelí aus haben wir in einer Tagestour den Canyon von Somoto besucht und durchwandert. Hierzu startet man mit einem dem ersten Bus nach Somoto um 7:30 Uhr. Mit von der Partie sind Benoit und Caroline (Französisch-Kanada) und Chris (Panama). Nach ca. 2 Stunden sind wir in Somoto und werden vom Guide abgeholt. Zu siebt sitzen wir in einem Taxi (kein Jeep, sondern ein ganz normaler PKW), so dass bei jeder kleinen Bodenwelle die Hinterräder den Radkasten berühren. Der Guide Robin ist der jüngere Bruder des ‘berühmten’ Henry, der seinen Bruder an diesem Tag vertritt. Zunächst geht es zur Guidefamilie nach Hause, wo man sich umkleiden kann und bei Bedarf ein paar wasserfeste Schuhe bekommt. Hier sollte man auf keinen Fall die dünnen Neoprenschläppchen nehmen. Die fallen nämlich auseinander und das Laufen darin ist eine Qual (Jacqueline). Danach geht es mit dem Taxi zum Startpunkt und man läuft etwa 45 Minuten bis zum Fluss. Von da an watet man im Fluss und überbrückt teilweise schwimmend die Wegstrecken. Kameras etc. werden währenddessen Wasserdicht in Seesäcken verpackt. Die Eindrücke sind toll.

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Auf halber Strecke hat man die Möglichkeit eine Schräge an der Canyonwand zu ersteigen und den Sprung ins Wasser aus unterschiedlichen Höhen zu wagen. Ich (Daniel) bin aus acht Metern Höhe gesprungen, unser Guide aus 20 Metern. Uiuiui.

Auf dem Rückweg ging es durch schöne, grün bewachsene Landschaften. Der Canyon hat sich mittlerweile zu flachen Berghängen aufgeweitet und Kühe verbringen den Mittag an den Ufern.

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Wenn die beiden gewusst hätten, dass wir Ihren großen Bruder zum Abendessen verspeisen, hätten sie sicherlich nicht so nett geschaut…

Futtern wie bei Muttern

Nach über einem viertel Jahr makrobiotischer Ernährung (Mais, Bohnen, Reis) haben wir in Estelí die Rettung gefunden: In einem netten Gartenlokal (Hofladen eines Bauernhofs) vor den Toren der Stadt gab es leckere, nicht süße Brötchen (Für Kenner: Wie Bio-Roggen vom René) mit echtem Käse (Bergkäse und Brie). Welch’ eine Wohltat.

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Starker Tobak

Auf den ersten Blick haben in Estelí die Cowboys das Sagen, was man an den vielen Cowboystiefel- und Hutgeschäften unschwer erkennen kann. Geld wird in dieser Stadt allerdings mit Zigarren verdient. Estelí ist nämlich mitten im Tabakanbaugebiet gelegen und quillt über von Zigarrenfabriken. Eine davon haben wir besucht: Nach der Ernte werden die Tabakblätter zunächst getrocknet, dann fermentiert (widerlich beißender Geruch) und anschließend nach Verwendungszweck sortiert (links). Kleineres Blattwerk und Bruch werden in größere Blätter eingerollt (mitte) und in einer Presse auf Maß gebracht. Diese grobe Arbeit wird hier ausschließlich von Männern durchgeführt. Abschließend wird die Zigarre mit einem großen, unversehrten Stück Tabak eingewickelt (rechts). Dieser Schritt ist besonders wichtig, weil davon das Äußere der Zigarre abhängt und kann deshalb ausschließlich von Frauenhand durchgeführt werden (O-Ton Führer).

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Etwa 80 Prozent der Bevölkerung in Estelí ist in der Zigarrenherstellung beschäftigt. Ein Arbeiter verdient dabei etwa 4 Euro am Tag. Bei 8 Stunden am Tag und 5,5 Tagen die Woche kommt man da nicht mal auf 100 Euro im Monat.

Obscht und Gemüs’

Wie im letzten Bericht bereits gesagt haben wir von El Sauce aus Los Altos De Ocotal besucht. Die landschaftlichen Eindrücke waren wirklich genial. Mindestens genau so gut war allerdings die Übernachtung bei Hermelinda (42) und Mann (45). Er hat so undeutlich geredet, dass wir seinen Namen trotz mehrfachen Nachfragens nicht verstanden haben. Die Kinder sind schon aus dem Haus (davon werden wir in dem Alter träumen), so dass sie im Schlafzimmer der Töchter Reisenden Unterschlupf gewähren können.

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Die beiden verdienen ihr weniges Geld durch den Verkauf von Kaffee, die Lebensmittel kommen fast alle aus dem eigenen Garten. Der Garten ist unglaublich. Dort wächst alles Mögliche im Überfluss, so dass die beiden gar nicht alles Ernten können was so gedeiht. Zu sehen sind Sternfrucht, ‘weiße’ Banane (die normale), rote Banane und eine Art Maracuja. Und das ist nur ein Bruchteil.

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Neben Unmengen von Obst und Gemüse gibt allerlei schöne Blumen, so dass sogar ich (Daniel) von dem Garten beeindruckt war.

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El Sauce

Um der Hitze des Tieflands zu entgehen, hatten wir beschlossen das Bergland Nicaraguas zu erkunden. Das Versprechen der “wohl besten Aussicht ganz Nicaraguas” lockte uns ins Städtchen El Sauce. Dazu gleich mehr.

El Sauce selbst ist ein verschlafenes Nest, die Hauptfortbewegungsmittel sind Pferd und Fahrrad und Hauptattraktion ist der Heilige Christo Negro, ein schwarzer Jesus, zu welchem alljährlich in der dritten Januarwoche die katholische Bevölkerung Nicaraguas pilgert und sich neben Danken und Bitten an einer Kirmes erfreut (wie bei uns, nur die Fahrgeschäfte sehen abenteuerlich aus und sind aus dem letzten Jahrhundert).

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So auch, als wir in El Sauce weilten. Beim Herumstreunen lernen wir Leo, einen weltoffenen Dorfbewohner, Poeten, Gitarrenlehrer und Liedermacher kennen. Neben seiner Familie stellte er uns auch seinen Gringo-Freunden aus New York vor, die in Armenvierteln El Sauces Steinhäuser für diejenigen bauen, die zwar Land besitzen, aber aufgrund ihrer Armut in Plastikzelten hausen müssen, was besonders in der Regenzeit hier in Nicaragua kein Spaß ist. Die zugehörige Freiwilligenorganisation heißt 4 Walls und Materialien sowie Gehalt des Baumeisters zur Realisierung der vier Wände kosten rund 2.000 USD. Freiwillige sammeln hierbei die Gelder für den Hausbau ein und haben die Möglichkeit zusammen mit der jeweiligen Familie, deren Freunde und einem lokalen Baumeister das Haus tatsächlich aufzubauen. Das Tolle an der Freiwilligenorganisation ist, dass die Gelder direkt dem jeweiligen Projekt zugutekommen und keine organisatorische Zwischenebene existiert. Zwei solcher Baustellen besichtigen wir mit Leo, schwätzen mit den Gringos und schaufeln und mörteln gleich ein bisschen mit.

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Beim Feierabendbier erfahren wir, dass wir gemeinsam mit der Freiwilligengruppe die autarke Kommune Los Altos de Ocotal besuchen, wo es neben ökologischem Kaffeeanbau, Kunsthandwerk aus Piniennadeln auch die beste Aussicht Nicaraguas gibt.

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Dort verbringen wir zwei Tage, lernen alles über die Kaffeeproduktion auf einer der kleinen Farmen, formen und backen Tortillas und dürfen uns im Kunsthandwerk versuchen. Zudem übernachten wir bei einer der Campesino-Familien im Haus, das inmitten eines paradiesischen Gartens steht, und werden rundum mit köstlichem Essen, frischen Früchten aus dem Garten und leckerem Kaffee verwöhnt und klönen beim Aussortieren der erntefrischen Kaffeebohnen.

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Am Pazifik hat’s gewackelt …

Nach unserer Vulkanbesteigung sind wir mit Robert zur Pazifikküste, genauer nach Jiquilillo gefahren und wurden am nächsten Mittag gleich von einem kleinen Erdbeben willkommen geheißen: es waren zum Glück nur drei vier Sekunden Wackelei und mulmiges Gefühl. Daniel war derweil auf dem Klo und war sich nicht sicher, ob er die Klowände zum wackeln brachte …

Im kleinen Fischerörtchen sind unsre Hauptbeschäftigungen den donnernden Wellen zuhören, am ewig langen Strand entlang laufen, in der Hängematte liegen und lesen.

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Einen halben Tag lang paddeln wir mit Robert und zwei Neuseeländern im Mangrovenwäldchen des Reservats Padre Ramos und ich muss feststellen, dass ich nicht so richtig der Vogelbeobachtungstyp bin. Bei mir müssen auch ein paar Säugetiere und Echsen offensichtlich zu sehen sein, sonst wird’s mir langweilig. Die schmalen Mangroven umsäumten Kanäle sahen allerdings schon ganz nett aus. Ach ja, Kajak fahren ist übrigens anstrengend…

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