Flitzen und Schwitzen

Bis wir weiter über unsere Erlebnisse in Kolumbien berichten und euch mit ans Ende der Welt nach Argentinien nehmen, machen wir eine kleine Schreibepause und erkunden den Naturpark Torres del Paine, Chile per Pedes. In einer Woche gibt es dann wieder neue Geschichten von unterwegs.

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Terrakotta, Penis und Fossil

Nach unserer Rückkehr nach Bogotá sind wir noch mal Richtung Nordosten gefahren, in die kleine Kolonialstadt Villa de Leiva um genau zu sein. Alle Gebäude der Stadt erstrahlen in sauberem Weiß, dank Denkmalschutz gibt es keine hohen Häuser und das Kopfsteinpflaster ist mehrere hundert Jahre alt. Schnelles Fahren mit dem Auto ist hier nicht möglich, Radfahrer versuchen im Schlingerkurs die mehr als reifenbreiten Fugen zu umfahren. Der Marktplatz ist der größte, den wir je gesehen haben: mit 120m x 120m und einem kleinen Brunnen in der Mitte wirkt er riesig und platzverschwenderisch. Untergekommen waren wir im Hostel Casa Campesina El Solar: Ein sehr alten Gebäude, das zum Gasthaus umfunktioniert wurde und dessen großer Garten zum Faulenzen einlädt.

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Neben dem angenehmen Aufenthalt im schönen Städtchen gibt es jede Menge im Umland zu tun. Aufgrund unserer beschränkten Zeit haben wir am ersten Tag eine Rundfahrt im PKW gemacht (gegen Bares) und in 3 Stunden die drei Highlights des Umlandes besucht:

  • ein echtes Haus aus Terrakotta (kann man sich sparen)
  • eine Stätte voll von Steinpenissen – die Sammlung prächtiger Glieder wurde sowohl für Fruchtbarkeitsrituale, als auch für astronomische Berechnungen benutzt (gut für Bilder)
  • ein Museum mit versteinerten Exponaten aus der Zeit der Dinosaurier, dessen Attraktion “Das Fossil”, ein versteinerter Kronosaurus, ist (beeindruckend)
  • in unterschiedlichen Blautönen gefärbte Seen (pozoles azules), deren Farbe in der Dämmerung leider nicht mehr zu unterscheiden ist (abends für die Katz’ – tagsüber bestimmt besser)

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Alles in allem eine nette Unternehmung, allerdings würden wir uns beim nächsten mal Fahrräder leihen, uns einen Tag Zeit nehmen und dabei eine ganze Stange Geld sparen.

Medellín

Zur Semana Santa (Karwoche) sind wir nach Medellín gefahren, um dort den “ewigen Frühling” (jährliche Durchschnittstemperatur 24 °C), die Dank beschlagnahmter Drogengelder supermoderne und Bürgerfreundliche Infrastruktur (hier gibt es eine Metro) und natürlich die vorösterlichen Veranstaltungen zu bewundern. Zu Fuß und per Metro erkunden wir die Stadt, den schönen Botanischen Garten, der weniger wissenschaftlich ist und eher einem Vergnügungspark gleicht, bewundern die gigantischen Pummelfiguren von Botero (hässlich und nicht wirklich unser Ding…), nehmen an einer der unzähligen Prozessionen (an jedem Tag der Semana Santa gibt es mind. 1-2 davon), genauer der SEHR langen Karfreitagsprozession, teil und besuchen den Arvi-Naturpark, der hinter den Medellín umzingelnden Bergen liegt. Hier kann man überwiegend deftig essen, Früchte, Artesanía und Snacks shoppen, wandern und Fahrräder leihen. Diese sollte man allerdings nur auf der geteerten Straßen und nicht auf den Feldwegen benutzen, sonst muss man die Fahrt stoppen, die Räder an Ort und Stelle zurückgeben und wird für den weiteren Fahrradverleih gesperrt …. menno!

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Zeitgleich mit uns sind auch unsere schweizerischen und australischen Segeltörn-Freunde Aglaia, Patrick und Yvette in der Stadt, mit denen wir uns abends zum Essen treffen.

Auch Medellíns Umland hat Einiges zu bieten: Wir haben einen Tag Santa Fé de Antioquía, ein kleines Kolonialdorf mit Goldgräbervergangenheit, und das kolumbianische Urlaubsstädtchen Guatapé am Rande eines spektakulären Seengebiets, besucht. In den ersteren Ort fahren Einheimische, um in den vielen Pools der chiquen Kolonialhäusern das Wochenende zu verbringen. Wir haben uns nur das Städtchen angeschaut und, naja, es ist ganz nett, hat uns aber nicht wirklich vom Hocker gerissen. Unsere Highlights waren eisgekühlter Tamarindensaft an der ortseigenen Hängebrücke und ein Hund mit blau lackierten Fußnägeln.

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Guatapé hingegen ist ein überaus schnuckeliges Örtchen, das aus lauter bunt verzierten kleinen Häusern besteht und uns viel besser gefallen hat. Wir sind zunächst zum riesigen Felsen El Peñol gefahren. Das ist ein ca. 200 Meter hoher Koloss, wahrscheinlich vulkanischen Ursprungs, der mitten in der Landschaft liegt. Ein findiger Ureinwohner hat ihn Mitte der 1950er Jahre als erster erklommen und beschlossen, eine Wendeltreppe anzubauen, um ihn auch für Touristen zugänglich und seine Familie reich zu machen. Ich muss sagen, eine sehr gute Idee. Die Aussicht ist wirklich phantastisch. Übrigens: Oben angekommen wird der Wanderer – typisch kolumbianisch – mit mehreren Fressbuden und einem Souvenierladen im Turm beglückt. Wahrscheinlich ist das die einzige Möglichkeit den lauffaulen Kolumbianer zum Aufstieg motivieren 😉

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Von dort aus sind wir nach Guatapé gelaufen und haben uns mit einer riesigen Platte Fleisch, Reis und Bohnen belohnt – lecker.

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Alles in Allem kann man sagen: Medellín ist eine Reise wert.

Mit dem Milchmann über den Wolken

Nach einer Woche in Bogota und Umland ging es weiter nach Manizales, eine 300.000-Einwohner-Stadt im Kaffeeanbaugebiet Kolumbiens, der Zona Cafetera. Von Manizales aus kann man Kaffee-Haciendas besuchen, sich in einer der vielen Thermalquellen entspannen oder im Nationalpark Los Nevados wandern. Für Letzteres gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Man kann im Rahmen von geführten Touren den Park erkunden oder in einer 8-stündigen Wanderung sogar den Vulkan Santa Isabel erklimmen. Eine interessante Alternative ist die Fahrt mit dem Milchmann an den Rand des Nationalparks. Auf seiner Tour in verschiedene Siedlungen kann man ihn entweder den ganzen Tag begleiten oder seinen LKW auf der Strecke verlassen, um am Mittag auf seinem Rückweg wieder zuzusteigen. Wir haben ihn den ganzen Tag begleitet: Morgens um 4:30 Uhr geht es in Manizales los. Nach etwa 1,5 Stunden  Fahrt durchstößt man die Oberseite der Wolkendecke und unglaubliche Landschaften werden sichtbar. Der Weg führt am Parkeingang vorbei und nachdem man den höchsten Punkt der Strecke von etwa 4100 Metern passiert hat, geht es wieder leicht abwärts in Richtung der verschiedenen Örtchen, wo der Milchmann die Milch der Bauern abholt. Teilweise verweilt man an den Orten bis wirklich alle Bauern der nahen Umgebung mit ihren Lasttieren angekommen sind.

Die typische Vegetationsform in diesen Höhen ist der Páramo: Graslandschaften, gespickt mit verschiedenen Blumen und Kräutern und den auffälligen Frailejones (im Deutschen “Schopfrosette” – kurze Stämme mit wuscheligen Blättern drauf). Während der Fahrt kann man immer wieder den schneebedeckten Vulkan Nevado del Ruiz erblicken, der aufgrund seiner Aktivität zur Zeit unseres Besuches nicht zugänglich war. Am späten Morgen traten wir den Rückweg an, so dass wir gegen 13:00 Uhr wieder in Manizales waren.

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Kulinarisches Kolumbien

Es ist mal wieder an der Zeit ein bisschen über Essen zu berichten, um euch in die kulinarischen Gepflogenheiten Kolumbiens einzuweihen: Der Tag beginnt mit Kakao und Tamal (in Bananenblatt gegarter Maisteig mit Hühnerteilchen). Alternativ können auch unterschiedlichste Rühreivarianten verspeist werden. Das Mittagessen ist meist dreigängig beginnend mit Suppe, gefolgt von Reis mit Kartoffeln, Platanen, Bohnen oder Bananen und Fleisch, ggf. Salat. Wichtigste Zutat ist auf jeden Fall Fleisch, wie man z.B. am gefüllten Schwein (Lechona) unschwer erkennen kann. Als Nachtisch werden Früchte gereicht und dazu gibt es leckeren Fruchtsaft oder Rohzuckerwasser.

fruehstueckstamal paisa-bandeja lechona

Steht Brathähnchen auf dem Programm lässt der Kolumbianer übrigens besondere Sorgfalt walten und trägt gerne Einmalhandschuhe, was auch Daniel großen Spaß bereitet 🙂

sicher-ist-sicher

Zwischendurch kann man sich an diversen frittierten Köstlichkeiten wie Empanadas (mit Fleisch, Reis und Gemüse gefüllte Teigtaschen), Papas Rellenas (mit Fleisch gefüllter Kartoffelbrei, ebenfalls frittiert) oder Arepas (unzählige Füllungsvarianten) sowie gegrillten Fleischspießen laben. Diese kleinen Snacks stellen übrigens auch das typische Abendessen des Kolumbianers dar.

 Fleischspiess Arepa-mit-Kaese Empanada

Für den süßen kleinen Hunger stehen an jeder Ecke Waffelverkäufer bereit, die dünne Knusperscheiben mit Arequipe (babbsüße eingekochte Kondensmilch), Fruchtcreme und Reibekäse belegen. Durst kann ebenfalls sofort an Ort und Stelle gestillt werden, da ambulante Händler nahezu überall Limonade, Fruchtsaft, Sprudelgetränke oder Kaffee verkaufen. Nachmittags erfreut sich der Kolumbianer gerne an Kakao mit Käsestückchen (im Kakao) und dazu ein süßes Gebäck. Wem das nicht genug ist, der kann auch gerne noch ein Stückchen ‘fancy’ Torte konsumieren.

kakao-mit-kaese Tortenpudel

Abschließend kann man sagen, dass es hier das bisher reichhaltigste und üppigste Essen Lateinamerikas gibt, was uns die so schön verlorenen Pfunde teilweise wieder auf die Hüften geschaufelt hat…

In Bogotá, um Bogotá und um Bogotá herum

Unseren ersten Flug seit Reisebeginn im Oktober haben wir von Santa Marta nach Bogotá unternommen, um noch rechtzeitig ein, zwei Tage mit unsrer Freundin Margarita verbringen zu können. Auch weil wir lieber 1 h fliegen als 19 h Bus fahren wollen. Wir treffen uns bei ihrer Großmutter, werden sofort ins familiäre Verwöhnprogramm für besuchende Verwandte aufgenommen und dürfen bei ihrer Mutter Patricia für unsere Zeit in Bogotá hausen – DANKE 🙂

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Mit Margarita zusammen gehen wir der kolumbianischen Lieblingsbeschäftigung nach, besuchen abends ein Kino und machen Tags drauf einen Ausflug in die in einen Salzstock gebaute Kathedrale in Zipaquirá. Abends heißt es Abschiednehmen von unsrer Freundin. Schön war’s mal wieder ein vertrautes Gesicht zu sehen!

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In Bogotá besuchen wir das wirklich beeindruckende Goldmuseum, bilden uns kulinarisch weiter (Hot Dogs werden hier in allerlei ‘interessanten’ Soßen ertränkt, Reibekäse darf nicht fehlen), machen uns ein Bild von der gigantischen Größe dieser Stadt auf dem Monserrate und schlendern durch die koloniale Altstadt La Candelaria.

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Ein weiteres Highlight ist unser Ausflug zur Laguna de Guatavita. Dies ist ein heiliger Ort für das Volk der Chibcha: Alten Reiseberichten zufolge wurden hier jährlich Goldfiguren und Smaragde vom mit Goldpuder beklebten König versenkt, um Mutter Erde gnädig zu stimmen. Von den kolonialen Eroberern wurden daher mehrere Versuche unternommen den See trocken zu legen, um an die Schätze zu gelangen, was – Gott sei Dank – nicht wirklich geglückt ist. So konnten auch wir uns von der Schönheit dieses Ortes verzaubern lassen.

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