Ein Tag am Gletscher

Von Puerto Natales in Chile sollte es dann weiter gehen nach El Calafate in Argentinien. Die Bustickets hatten wir im Hostel gekauft, Abfahrt 8.30 Uhr, so die Auskunft des netten Chilenen, der die Tickets telefonisch reserviert hatte. Am frühen Morgen haben wir dann noch die übrigen Eier gebraten, haben ein schnelles Frühstück eingenommen und sind, zusammen Murielle, mit dem Taxi zum Busbahnhof gedüst. Bei der Einfahrt auf’s Gelände des Busbahnhofs hatten uns schon Zweifel ereilt: Warum ist hier sonst niemand? Und warum ist hier kein Bus? Die Lösung war einfach, aber leider nicht jedem Chilenen bekannt: Chile hatte einige Tage zuvor die Uhr auf Winterzeit umgestellt (eine Stunde zurück). Argentinien verzichtet auf diesen Spaß. Das argentinische Busunternehmen fährt natürlich nach wie vor nach argentinischer Uhrzeit und holt seine Gäste in Chile ein Stunde früher ab, als zuvor…

hinfahrt

Die zusätzliche Nacht im Hostel war dann kostenlos, die Tickets wurden erneut gebucht (kostenlos) und im zweiten Anlauf ging es dann nach El Calafate. Der Hauptgrund für eine Reise dort hin ist der nahegelegen Gletscher Perito Moreno. Zahlreiche Agenturen in dem kleinen Städtchen verkaufen Fahrten zum Gletscher, Wanderungen auf dem Gletscher und andere lustige Sachen, die man mit riesigen Gletschern so machen kann. Wir haben uns lediglich eine Busfahrt zum Gletscher und zurück gekauft. Hier hat man wieder einmal die Vorteile des Reisens außerhalb der Hauptsaison gespürt. Bustickets können kurzfristig am Abend vorher oder direkt vor Abfahrt am Busbahnhof gekauft werden. Letztendlich saßen wir dann zu acht im Bus. Darunter eine Mittvierzigerin, welche sich zu einem späteren Zeitpunkt als Verrückte entpuppen sollte. Die 1,5-stündige Busfahrt führt bereits durch atemberaubende Landschaften (siehe oben). Kurz vor der Ankunft am Gletscher legt der Busfahrer einen Stopp am Bootsanleger ein und man hat die Möglichkeit Tickets für eine spätere Bootsfahrt zum Gletscher zu kaufen. Hier glänzte die Mittvierzigerin durch dümmliches Nachfragen, was das ganze den jetzt soll. Letztendlich hat sie das Ticket gekauft. Am Gletscher hat der Busfahrer ihr zum vierten mal den Tagesablauf erklärt: 1. Gletscher erkunden, 2. Zum Boot fahren (optional), 3. Wieder zum Gletscher zurückkehren und 4. Rückfahrt um 4 Uhr mittags. Die Verrückte hat dann völlig verwundert geschaut und ernsthaft gefragt, was man denn bitte den ganzen Tag an einem Gletscher machen solle. Der Busfahrer ist erstaunlich ruhig geblieben und hat ihr erklärt, dass man immer das bekomme was man kauft. Und sie habe nun mal ein Busticket zum Gletscher und zurück gekauft. Die Alte ist nach der Bootsfahrt verschwunden und nie mehr aufgetaucht…

panorama

Nun aber zum Gletscher selbst: Der Perito Moreno ist nach dem gleichnamigen argentinischen Geographen benannt. Er zählt zu den wenigen Gletschern auf der Welt, deren Größe nicht abnimmt. Die Besonderheit dieses Gletschers ist, dass er sich auf die Stelle zubewegt, von der aus ich das Bild gemacht habe und dabei einen Teil des Sees abtrennt. Im linken Teil (siehe Panoramaaufnahme) staut sich das Wasser dann an, bis es zum spektakulären Durchbruch kommt (YouTube). Dieser Vorgang wiederholt sich im Vier-Jahres-Zyklus.

von-der-seite gletscher-vom-boot lago-argentino menschen-auf-gletscher

Zur Erkundung des Gletschers wurde ein System von Terrassen und Wanderwegen am gegenüberliegenden Landabschnitt angelegt. Von hier aus haben wir den Gletscher beim ‘Arbeiten’ beobachtet. Durch die Eigenbewegung des Gletschers (ca. 2 Meter am Tag an der schnellsten Stelle) und durch den Einfluss des Sonnenlichts kommt es ständig zu Rissen in der Eismasse was sich in gewitterartigen Knallgeräuschen äußert. Außerdem brechen immerzu zu riesige Eisblöcke an der Vorderkante ab und stürzen ins Wasser. Die Abbruchkannte ist an manchen Stellen über 70 Meter hoch und reicht bis zu 110 Meter unter die Wasseroberfläche. Die tatsächliche Größe wird einem erst bewusst, wenn man vom Boot aus Personen auf der Gletscheroberfläche wandern sieht (schwarze Pünktchen, letztes Bild). Die 13 Euro für das Bootsticket haben sich auf jeden Fall gelohnt.

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