Unter der Dunstglocke Santiagos

Nach einer zweistündigen Busfahrt von Valparaíso aus kommen wir in Santiago, der Hauptstadt Chiles, an. Mit der U-Bahn sparen wir uns noch fix 20 Gehminuten. Unsere Unterkunft ist das Hostel Casa Roja: Ein großes, villenartiges Herrenhaus, das von einem australischen Rucksackreisenden gekauft und mit viele Liebe zum Detail restauriert wurde. Von der Eingangstür bis zum Garten hinter der Küche sind es 70 Meter. Auf zwei Etagen bietet es Platz für etwa 100-150 Gäste. Leider geht aufgrund der Größe jedes Gefühl der Persönlichkeit verloren. Die Gruppen von Reisenden verlieren sich in dem Gebäude. Eine halbe Stunde nach uns kommen dann auch James, Mat und Maik an. Am Abend wird dann ordentlich (deutsch) gekocht: Es gibt Schnitzel mit Kartoffelbrei und Zucchini.

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Am kommenden Tag erkunden wir die Stadt zu Fuß: Schönes Wetter, volle Gassen, Straßenhunde mit Fleecepullover, Obdachlose, die im ausgetrockneten Flussbett campieren. Bei unserer Tour halten wir an verschiedenen Märkten an. In der Fleischabteilung werde ich (Daniel) gleich zweimal für einen Brasilianer gehalten. Und einmal werde ich, vor einem Gemüsestand stehend, von einer älteren Dame gefragt, ob ich auch Pilze verkaufe. Ich hab zwar selten große, blonde Lateinamerikaner getroffen, aber einigen scheine ich zum verwechseln ähnlich zu sehen 🙂

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Am dritten Tag treffen wir uns mit Helen, die wir in Valparaíso kennengelernt haben. Mit ihr besuchen wir das hiesige Pablo-Neruda-Haus – diesmal sogar von innen. Anschließend  ‘besteigen’ wir den höchsten Punkt der Stadt, den Cerro San Cristóbal, per Standseilbahn. Der Ausblick ist beeindruckend und die Smogglocke, welche über der Stadt hängt, wirkt wir eine riesige Nebelschwade. Als wir die Produktpalette eines Eisstandes dort oben beäugen werden Kindheitserinnerungen wach: Flutschfinger – hier gibt es ihn noch, oder wieder. Gemeinsam statten wir Markus einen Besuch in seiner Couchsurf-WG ab. Den Münchner haben wir mehrfach auf unserem Weg durch Patagonien getroffen, zuletzt in Bariloche, Argentinien. Nach diesem sehr schönen Tag geht es abends per Bus weiter nach La Serena.

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Valparaíso

Nach dem menschenleeren Patagonien haben wir uns auf den Weg gemacht die bevölkerungsreichsten Städte Chiles zu besuchen. Angefangen haben wir mit der Hafenstadt Valparaíso. 32 Hügel umgeben die Stadt. An deren Steilhängen und ins Tal in Richtung Küste quetschen sich unzählige Häuser und Treppen. Als wir aus dem Bus aussteigen und zusammen mit Maik, Matt und James zum Hostel fahren, ist es endlich mal wärmer und es fühlt sich ein bisschen wie eine schmuddelige, südeuropäische Hafenstadt an. Neben der Population hat hier die Hundekackedichte ebenfalls deutlich zugenommen. Aus den Gulllis muffelt es intensiv nach Zivilisation. Viele Häuser sind etwas verwohnt, aber trotzdem schön anzusehen und bunt verziert mit tollen Graffitis.

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Maik und wir kommen in einem Deluxe-Hostal in einem liebevoll renovierten Jugendstilhaus unter und freuen uns über ein feines Frühstück in netter Gesellschaft. Mittags treffen wir uns mit den anderen beiden zu einer Hafenrundfahrt und erkunden anschließend zu Fuß die Stadt. Auf jedem Hügel gibt es nette Plätzchen zum Hinsetzen, Leute spielen Gitarre, trinken Bier oder quatschen einfach nur gemütlich in der Sonne. Sympathische Stadt.

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Es folgt ein Gammeltag im Nebel mit einer lustigen Kneipentour – gegen 3.00 Uhr fallen wir ins Bett. Feiern kann man hier also auch. Tags drauf befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand: Chile hatte 1879 eine Seeschlacht gegen Peru gewonnen und dies wird jeden 21. Mai gefeiert. So auch in Valparaíso. Staatsbesuch, Militärparade, Studentenkravalle. Wir halten uns dem Getümmel fern und laben uns an unsrem neuen Lieblingsfastfood, dem Completo: Hotdog mit Tomaten, Zwiebeln, Avocadocreme, Mayo, Ketchup, Chilisoße und was die Tuben am Stand sonst noch so zu bieten haben. Am nächsten Mittag geht es auch schon weiter in die Hauptstadt.

Feuer, Eis und ganz viel Bier

Im schönen Pucón beziehen wir dank Nebensaison ein kleines Hüttchen mit Schwedenofen, den die beiden etwas ver- (oder besser ent-)rückt wirkenden Hostal-Damen täglich mit riesigen Holzklötzen befeuern. Kuschelig warm haben wir es also in unsrer Bleibe und draußen ist’s neblig und furchtbar kalt. Im Bus haben wir unsre ‘FitzRoy-Reisegruppe’ bestehend aus Maik, Matt, James und den beiden Israelis (Dafna und Begleiter) wiedergetroffen, Murielle ist schon in Pucón – wir sind wieder komplett. In den nächsten Tagen soll das Wetter besser werden und der dorfeigene Vulkan Villarica besteigbar sein. Einige Reisende warten schon seit Tagen auf diesen Moment, wie wir erfahren. Bis dahin vertreiben Daniel und ich uns die Zeit mit einem Besuch am Lago Caburgua und seinen zwei Ojos.

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Das Wetter lässt sich an unserem ersten Tag schon ganz gut sehen, wir wandern mehrere Stunden am Strand entlang, bewundern Wald und Umgebung und gewinnen gleich zu Beginn zwei neue Freunde, die uns die ganze Zeit begleiten. Beschützen tun sie uns allerdings nicht: begegnen wir großen Schäferhunden, verstecken sie sich hinter uns – na bravo 🙂

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Am Ortsausgang verlassen uns unsre Hunde. Wir kaufen bei einem alten Opa den bisher köstlichsten und günstigsten Käse und laufen zu den ca. 6 km entfernt liegenden Ojos de Caburgua; das sind kleine Wasserfälle mit azurblauen Wasserbecken. Es dauert nicht lange und wir werden von einem neuen Hundepaar auserwählt. Es läuft den ganzen Weg mit uns mit, wartet auf uns und als wir gegen Abend in den Bus nach Pucón steigen, rennen sie sogar dem Bus hinterher – nette Kerlchen. Abends treffen wir uns mit den anderen in ihrem Hostal zur Vulkaneinweisung – morgen ist es also soweit. Wenn das Wetter mitspielt, erreichen wir sogar den Gipfel, was laut Guide nur 60% der Leute gelingt… mal sehen.

Ausgestattet mit Helm, Eispickel, Steigeisen und Bergstiefeln fahren wir gegen 8.00 Uhr an den Fuß des Gipfels. Das erste Stück kraxeln wir flott bis zum Schilift. Dort wird es dann ernst, Steigeisen werden angeschnallt und Eispickel geschultert. 30 Minuten Stapfen, 10 Minuten Pause. Die Eiskruste knirscht unter den Füßen und im Rücken leuchtet das Tal in der Morgensonne. So schaffen wir uns langsam den Gipfel hoch. Kurz vor dem steilsten Stück brechen einige entkräftet ab. Wir laufen weiter. Schritt, Schritt, Eispickel in die Wand und wieder von vorne. Nach viereinhalb Stunden haben wir es geschafft und stehen am rauchenden, widerlich stinkenden Krater. Geniale Aussicht in alle Himmelsrichtungen: Nachbarvulkane, Seenland im Tal, stahlblauer Himmel. Der Wind frischt etwas auf und nach einer halben Stunde rufen die Guides zum Aufbruch.

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Runter ist’s fast noch anstrengender als nach oben. Dank Steigeisen und Eispickel, die sich in die Eiskruste graben, fällt keiner vom Berg und nach weiteren zweieinhalb Stunden sind wir wieder an der Bodenstation. Abends belohnen wir uns mit mehreren Runden Bier und einem riesigen Haufen von Pommes überbacken mit Chilisoße. Mmmmmmh – das haben wir uns auch verdient.

Vom Grüezi zum Hallo

Aus dem verregneten Schweizer Land um Bariloche sind wir kurz nach Jacquelines Geburtstag ‘geflohen’, um dem schlechten Wetter zu entgehen. Allerdings war das Wetter auf der anderen Seite der Anden genauso mies, so dass wir – in Puerto Varas angekommen – nur ahnen konnten, dass es hier wirklich Vulkane am See gibt. Sehen konnte man sie nämlich nicht. 🙂

Puerto Varas ist übrigens eine der deutschen Kolonien in Chile, was man am Supermercado Peters, dem Restaurant Alemania und der überall angebotenen Spezialität ‘Kuchen’ unschwer erkennen kann. Die Landschaft sieht hier aus wie deutsches Mittelgebirge: weiche Hügel, grüne Wiesen mit Kühen und Schafen, von Pappeln gesäumte Straßen und rustikale Holzhäuschen – Was unsere Theorie, dass sich Auswanderer immer dort niederlassen, wo es wie daheim ausschaut, untermauert.

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Tagsdrauf gammelten wir bei deutscher Tangomusik in unserem französischen Hostal und freundeten uns mit dem Hund an. Gegen Mittag hörte der Dauerregen tatsächlich auf, so dass wir zum Lago Todos los Santos fuhren, um den See und die spektakulären Petrohue-Fälle zu bewundern. Hatte sich der Vulkan Osorno am See noch verschämt hinter Wolken versteckt, so kann man an den Petrohue-Fällen dank des aufgeklarten Himmels den Fuß des Vulkans erblicken.

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An unsrem letzten Tag hier am Lago Llanquihue wurden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt. Zu Fuß erkundeten wir das schöne Örtchen und Seeufer und fuhren gegen Mittag mit dem Bus ans nördliche Ende des chilenischen Seengebiets: Pucón am Lago Villarica.

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San Carlos de Bariloche

Unser zweiter Inlandsflug (übrigens genauso teuer wie das Busticket, nur ca. 20h kürzer…) brachte uns von El Calafate nach San Carlos de Bariloche, mitten im argentinischen Seenland und heimliches Kanton der Schweiz. Die Häuschen sehen aus wie ein Direktexport aus dem Schweizer Bergland und an jeder Ecke kann man sich mit Käsefondue beglücken. Das regengraue und ziemlich unstete Wetter war eher weniger einladend, und so beobachteten wir die überwiegend den riesigen See Nahuel Huapi und die sich ändernden Wolkenformationen am Himmel von Panoramafenster unsres Hostels aus.

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Nach einer Rundfahrt durch das Seenland mit Murielle, Markus und Matthias und einer feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier (erst Schlemmen, dann Stämmen…) ging es auch schon weiter nach Chile.

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