Ganz viel Salz und große Weiten

Wir haben uns für den Bus um 7.00 Uhr zur Bolivianischen Grenze entschieden, so dass wir gegen Abend in Tupiza ankommen und tags drauf unser Abenteuer durch den Altiplano zum Salar de Uyuni zu beginnen können. Matt und James haben durchgemacht und schlafen den Schlaf der Gerechten im Bus. Daniel und ich genießen die tolle Landschaft durchs Panoramafenster und die köstlichen Snacks, die fliegende Händler bei den Busstopps an den Mann bringen.

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Zu Fuß geht’s über die Grenze, diesmal ohne Verzögerung und mit einem Minivan in das kleine Städtchen Tupiza. Unsere 4-tägige Jeep-Tour zum Salar haben wir bereits gebucht und erhalten am Abend die letzten Instruktionen: Neben Sonnenbrille, Fotoapparat und Coca-Blättern ist Klopapier das wichtigste Utensil für die Reise. Am nächsten Morgen starten wir. Wir vier teilen und mit unsrer Köchin Mabel und unsrem Guide und Fahrer Carlos den Jeep. Luxuriös!  Die Landschaft, die wir am ersten Tag sehen, ist unglaublich: tiefste Täler, unendliche Weite, Lamaherden, Vulkane, Berge, Lagunen, Flüsschen, ab und an gewürzt mit halbverfallenen Lehmhaussiedlungen. Ein wunderbares Gemälde in den Farben Ocker, Gelb, Grün, Braun und Blaublaublau. Der Himmel ist einfach nur phantastisch. Die Bewohner dieser kargen Landschaft leben von Lamazucht und verdienen sich Geld in den zahlreichen Gold-, Silber- und Kupferminen dazu. Wir schlagen unser Nachtlager in einem der Dörfer auf. Der Sonnenuntergang ist kitschig-schön. Wenig später zeigen sich Milchstraße und unendlich viele Sterne am Himmel. Die Nacht bringt bittere Kälte: Daniels Thermometer misst -17°C im Innenhof unsrer Behausung. Brrrrrr! Wir vier hatten diese Nacht psychedelische Träume. Ob’s an der Kälte oder den Coca-Blättern liegt? Keine Ahnung…

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Nach dem Frühstück geht es weiter, tiefer in den REA-Park hinein. Die Farben braun, weiß und blau dominieren die Landschaft – schneebedeckte Berge, Vicunas grasen, Lagunen tauchen am Horizont auf – weiß, blau, grün, türkis. Salz- und Boraxhaufen säumen die Ufer. Thermalquellen treiben Dampfschwaden in den Himmel. Wir vier sind zu faul zum Baden. Weiter geht es zu stinkenden, grau-dickflüssig blubbernden Schlamm-Geysiren. Verrückte Landschaft. Es gurgelt und gluckert und zischt aus buntgefärbten Erdspalten. In großen und kleinen Pfützen brodelt graue Masse. Der Wind pfeift schneidend kalt um unsre Köpfe.

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Am späten Nachmittag kommen wir an der Laguna Colorada an. Das Wasser ist leuchtend rosa. Weiße Salzkrusten, grüne Grasbüschel und bläuliche Schattierungen runden die Farbkomposition ab. Bizarre Wolken treiben über den Himmel und spiegeln sich im Wasser, Flamingos grasen im kniehohen Wasser stehend.

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Es plätschert leise, ab und an gackert einer der Vögel, der Wind rauscht in den Ohren. So friedlich. Von der Schönheit sind wir vier wie benommen und ganz feierlich gestimmt.

In unsrer Unterkunft ist diesmal ein Ofen. Wir trinken Wein, klönen mit den anderen Tour-Gruppen und haben einen sehr gemütlichen Abend. Das Erlöschen des Ofens gegen Mitternacht treibt uns ins Bett unter die fünf Schichten Bettdecken. Der dritte Tag bringt erstarrte Lavalandschaften, kleinere Salzebenen  und langes, langes Jeep-Fahren. Am späten Nachmittag kommen wir ENDLICH am Ufer des Salars de Uyuni an. Der Himmel hängt voller dicker Wolken. Hoffentlich klart es morgen auf.

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Wir übernachten in einem aus Salzblöcken gebauten Hostal. Es regnet die ganze Nacht und auch noch am Morgen – so ein Kack! Um 6.00 Uhr fahren wir los auf den Salar bis hin zur Isla Incahuasi. Den Sonnenaufgang sehen wir nicht; Wolkenverhangener Himmel und Salar haben die selbe Farbe. Hauptattraktion der Insel: Ururalte Kakteen, bis zu 10 m hoch und damit ca. 1000 Jahre alt! Verrückt. Unser Highlight: Wir steigen aus dem Jeep und laufen unsrem Reisefreund Markus (Ushuaia) in die Arme. Was für ein Zufall! Wir freuen uns total über das deutsch-deutsche Wiedersehen. Gegen Mittag klart es zum Glück ein wenig auf und so können auch wir nette Illusionen fotografieren. Seht selbst:

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Wüste, Weite, Westmannphantasien

Von San Pedro de Atacama nach Salta führt eine Pass-Straße durch den wunderschönen Altiplano, den sich Argentinien, Bolivien und Chile teilen. Um das Praktische (Vorwärtskommen) mit dem Schönen (Landschaft bewundern) zu verbinden, haben James, Matt und wir Tickets für den Bus um 9.30 Uhr morgens gekauft, so dass wir gegen 20.00 Uhr in Salta ankommen würden. Am nächsten morgen haben wir noch schnell köstliche Käse-Schinken-Tomaten-Baguettes geschmiert, Pains au Chocolat bei unsrem französischen Bäcker eingekauft und sind zum Bus gelaufen. Nach einer knappen Stunde Warten kam dieser dann auch und brachte uns zur chilenischen Grenze kurz hinter San Pedro. Dort konnten wir uns nach dem Check-out aus Chile auch wieder 1,5 h die Beine vertreten: Unser amerikanischer (ich nenne keine Namen ;-)) und zwei kanadische Mitreisende hatten nämlich die Belege für die bereits bezahlte Einreisegebühr nach Argentinien nicht parat bzw. mussten die Gebühr noch entrichten. Da es an der Grenze kein Internet gibt, sind Busfahrer und Betroffene sowie Daniel als Übersetzer kurzerhand zurückgelaufen und haben ein Internetcafé aufgesucht. Besonders beeindruckt hat uns die Seelenruhe des Busfahrers. Er scheint so was regelmäßig zu machen…

Dann ging es endlich richtig los vorbei an meinem Lieblingsvulkan Licancabur, Altiplano-Seen, grasenden Vicuñas und blau-braun-gelber Weite, Weite, Weite. Nach ca. 2 h erreichen wir die argentinische Grenze in über 4.000 m Höhe und stärken uns erst mal mit einem Milanesa-Sandwich. Busfahren macht ganz schön hungrig.

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Wir fahren weiter durch wunderbare Landschaften, vorbei an Salzfeldern, einfachsten Lehmhäusern, Schafherden und bunt geschmückten Lamas in die Abenddämmerung. Verrückt, dass man in dieser kargen Einsamkeit leben kann. Den letzten, angeblich schönsten Teil der Landschaft verpassen wir leider. Es ist halt schon dunkel. Gegen 23.00 Uhr kommen wir endlich in Salta an und stärken uns mit Bier und Grillfleisch – lecker.

Um die Augenschmause Nordargentiniens zu erkunden, mieten wir uns zu viert ein Auto für zwei Tage. Der erste Trip soll uns über Cachí zum Weinort Cafayate bringen. Wir kommen morgens erst gegen 9.00 Uhr los und überschätzen die Straßenverhältnisse der Gegend… Es wird ein langer Tag. Wir fahren durch wildwest-romantische Kaktustäler, durch weiche Gebirgszüge und erreichen gegen 15.00 Uhr sehr hungrig das schöne Cachí; die anfangs so ordentlich geteerte Straße ist einer Schotterpiste gewichen. Wir stärken uns dort und fahren zügig weiter in Richtung Cafayate. Die Wegweiser sind spärlich gesät und prompt enden wir im nirgendwo. Die Schotterpiste wird zu einem Flussbett-artigen Weg. Ein freundlicher Bauer kann uns weiterhelfen, und wir finden zurück zur Ruta 40. Die wird praktischerweise grade teilweise ausgebessert. Nach ca. 30 min Warten in der Spätnachmittagssonne kann es auch schon weitergehen. Das weiche, staubige Land macht bizarren Felsformationen Platz. Verrückt! Und wir fahren mitten durch. Die untergehende Sonne taucht die Felsen in ein zauberhaftes Rot. Schade, dass es schon dunkel wird. Die Landschaft bis Cafayate können wir nur noch schemenhaft erkennen. Um 21.00 Uhr kommen wir endlich dort an, essen köstliches Grillfleisch (bis auf Daniel, der lässt sich auf ein Experiment namens Locro ein und freut sich über das Innenleben einer Kuh in Eintopfform…) und fahren in der Nacht heim. Um 1.30 Uhr sind wir endlich wieder in Salta. Wir sind uns einig: Die heutige Tour ist nichts für nur einen Tag! Das nächste Mal würden wir in Cachí und Cafayate übernachten und uns viel mehr Zeit beim Erkunden lassen.

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Am nächsten Morgen starten wir zu unsrer zweiten Tagestour: Wir fahren ein Stück der Ruta 51 parallel zur Strecke des Tren de las Nubes ab. Das ist eine Zugstrecke, die ebenfalls durch die bizarre Bergwelt Nordargentiniens bis hin zu chilenischen Grenze führt. Wir fahren bis nach Santa Rosa de Tastil durch Schotter gefüllte Täler, vorbei an dramatischen Felsformationen und Bergen. Kakteen würzen diese karge Landschaft. Karl May hätte es sich nicht besser ausdenken können. In Santa Rosa essen wir zu Mittag, machen noch einen Abstecher zu den Präinka-Ruinen von Tastil. Am späten Nachmittag sind wir wieder in Salta und genießen noch ein wenig diese gemütliche Stadt. Allein sie ist schon eine Reise wert. Hier wollen wir noch mal hin!

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Rohstoffreiches Chile

Um 6:30 Uhr werden wir abgeholt. Die lange Fahrt in Richtung Salzwüste führt uns durch schöne, karge Landschaften. Unterwegs stoppen wir, um einen Abschnitt des berühmten Inkatrails zu besichtigen: Über diese Pfade sind die Inka aus den verschiedenen Teilen ihres Reiches ins religiöse Zentrum Cusco gepilgert. Kurz später gibt es Frühstück in einem kleinen Dörfchen. Danach geht es weiter in Richtung der beiden Lagunen Miscanti und Miñique. Letztere kann derzeit leider nicht besichtigt werden, da der Weg dorthin zugeschneit und vereist ist. Als Beweis dient ein steckengebliebener Jeep. Der Marsch vom Parkplatz zur Lagune erweist sich als sehr anstrengend: Die Luft auf 4000 Metern Höhe ist ungewöhnlich dünn. Die Lagune ist umringt von fünf Vulkanen. Der für die Jahreszeit ungewöhnlich Schnee und die am Uferrand grasenden Vicuñas runden das Bild ab.

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Anschließend fahren wir weiter zum Salar de Atacama: Der größte Salzsee Chiles, der eine Tiefe von bis zu 1,7 km erreicht. Über- und unterirdische Zuflüsse tragen das Salz ein, durch die hohe Verdunstungsrate bildet sich eine Kruste. An wenigen Stellen sammelt sich Wasser an der Oberfläche. Auf diese Art ist auch die Lagune Chaxa entstanden, die in der Mitte des Salars liegt und die wir besuchen. Dort tut sich eine bizarre Welt auf: Die Salzkruste ist weiß-gräulich und sehr grob, das Wasser der Lagune reflektiert aufgrund des hohen Salzgehaltes sehr gut, so dass sich die gesamte Umgebung einschließlich der rosa Flamingos darin spiegelt. Kleine Krebse färben das Wasser stellenweise rosarot. Gebunden in der Salzkruste sind unter anderem Lithium, Kalium, Magnesium und Bor. Etwa ein Drittel der weltweit geförderten Menge an Lithium kommen aus dem Salar. Durch kleine Dörfchen geht es am Mittag zurück nach San Pedro.

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Für den kommenden Tag haben wir uns die Kupferminen bei Calama vorgenommen. Dabei handelt es sich um eine der größten offenen Kupferminen der Welt. Bob der Baumeister hätte seine Freude an diesem gigantischen Bauvorhaben. Vier Kilometer lang ist das große Loch in der Erde, über einen Kilometer reicht es in die Tiefe. Das verrückte daran: Lediglich am tiefsten Punkt ist kupferhaltiges Gestein zu finden, die Flanken des überdimensionalen Trichters sind wertlos. Und selbst darin ist nur ein Prozent Kupfer enthalten.

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Rund um die Uhr tragen riesige Bagger das Erdreich ab und unglaublich große Lastwagen transportieren den Abraum aus der Mine und schütten im Umland unbeschreiblich große Berge auf. Die Größe der Fahrzeuge lässt sich erst im Vergleich mit herkömmlichen Autos erahnen. Einige Tage zuvor hatten wir bereits die übergroßen Reifen der Kipplaster auf einem Sattelschlepper bewundert. Kostenpunkt: 40.000 USD pro Reifen, Reifenwechsel alle 8 Monate. Einen weiteren Superlativ stellt der Wasserverbrauch des aufwändigen Kupfergewinnungsprozesses dar: 12.000 Liter Wasser pro Sekunde werden benötigt, 9.000 können wiederverwendet werde. Es fallen also 3.000 Liter kontaminiertes Abwasser pro Sekunde an. Wohin das verschwindet sagt man uns nicht. Der größte Teil des Kupfers wandert übrigens nach Asien in die Schmieden der Elektroindustrie. Laut Betreiber kann man noch weitere 50 Jahre fördern, bevor die Ressourcen versiegen.

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Heil Pickler!

Am frühen Morgen wache ich auf und bemerke, dass der Bus steht. Links und recht von uns: Nichts als Sand und Geröll. Vor und hinter uns: Stehende Busse, LKWs und Autos. Die Ursache: Wir sind in der Atacamawüste und die Minenarbeiter der Gegend haben beschlossen an diesem Tag zu streiken und die Straße zu blockieren. Wir sind noch etwa zwei Fahrtsunden von unserem Ziel San Pedro de Atacama entfernt. Nach etwa einstündigem Warten wirft der Busfahrer den Motor an, zieht nach links auf eine Holperpiste und fährt an dem ganzen Stau vorbei. Warum nicht gleich?

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Nach unserer Ankunft in San Pedro begeben wir uns auf ‘Wohnungssuche’. An Angeboten mangelt es nicht: An jeder Ecke drückt einem jemand ‘nen Flyer mit ‘nem Angebot in die Hand. Wir gehen dann mit einem verzottelten Typen mit, der uns eine tolle Unterkunft am Ortsausgang verspricht. Und in der Tat – zu einem vernünftigen Preis gibt es ein nettes Zimmerchen. Außerdem überzeugen der chaotische aber gemütliche Hof, auf dem sich der Haushund tummelt und die französische Bäckerei, die mit auf dem Gelände ist. Wir kaufen gleich mal ein leckeres Sauerteigbrot und vespern im Hof.

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Am nächsten Tag machen wir uns gemeinsam mit unseren Reisebekannten James und Matt auf ins Valle de la Luna (Mondtal) auf. Das Tal ist äußerst schön, doch leider haben wir die Tour mit einem empfohlenen Anbieter gebucht, und das ganze ist der bis dahin schlimmste Touriausflug unserer Reise: Fahren – Fotostopp – Fahren – Fotostopp – Fahren… Das ganze wird noch verschlimmert durch den Guide, der ununterbrochen seine Sparwitze zum Besten gibt, und das abwechselnd in zwei Sprachen. Unsere Empfehlung für Nachahmer: Fahrrad leihen und die Gegend per Rad erkunden.

Am Abend gehen wir zunächst in James’ und Matts Hostel, dort wird groß gefeiert: Ein großes Feuer und Alkohol machen die bitterkalte Nacht erträglich. Ein Chilene gesellt sich zu uns, und als wir uns als Deutsche zu erkennen geben, tönt ein ‘Heil Pickler!’ aus seinem Hals (wirklich, so wie bei Eiterpickel…). Wir wirken wohl verstört und ein anderer Chilene kommt hinzu und erklärt: Es handle sich um eine Abänderung des Führergrußes unter Verwendung des Wortes Pickles (in Essig eingelegtes Gemüse) – eine Adolf-Parodie sozusagen. Haha. Danach geht es weiter zu einer Party mitten in der Wüste. Eine dreiviertel Stunde laufen wir ungefähr, die Füße mittlerweile zu Eisklötzen gefroren – Feiern ist im Ort wohl nicht erlaubt. Die Party glänzt mit schlimmer Musik, ist aber trotzdem ganz witzig. Irgendwann kommt ein Chilene zu mir (ein richtiger Indigener, der wie ein Indianer aussieht) und fragt mich nach Name und Nationalität. Die Antwort lässt ihn vor mir salutieren und ‘Heil Pickler!’ rufen. Diesmal aber der echte Führergruß. Ohne Pickel. Spinner! Auf dem Nachhauseweg stellen wir fest, dass wir auf dem Hinweg die Grenzstation passiert und Chile somit verlassen hatten. Wir haben also im Niemandsland gefeiert. Verrückt!

Die Worte des Bäckers klingen noch in meinem Ohr als wir um 5 Uhr schlafen gehen: Wenn Du morgen früh um 8 Uhr kommst, hast Du die volle Auswahl. Also stelle ich den Wecker auf 8 Uhr und werde drei Stunden später geweckt. Völlig verkatert stolpere ich zum Bäcker, kaufe 5 Croissants und ein Baguette – für uns beide – und lege mich wieder schlafen. Wir essen zwei Tage lang an den Vorräten. Den Tag über machen wir nicht viel außer unseren Kater auszukurieren und eine Tour zur Salzwüste von Atacama und den umliegenden Dörfern und Seen für den nächsten Tag zu buchen.

Sterne, Schnaps und Sockenschwund

Nachdem wir Santiago im Schnelldurchlauf erkundet haben geht es im Nachtbus weiter zu Küstenstadt La Serena. Ausnahmsweise haben wir im Voraus ein Zimmer im Hostel Casa Maria reserviert, um uns die Sucherei in der Frühe (Ankunft 6:30 Uhr) zu ersparen. Leider reagiert niemand auf unser Klingeln, so dass wir uns doch noch auf die Suche begeben müssen. Wir landen in dem von Deutschen betriebenen Hostel El Punto. Für unseren Geschmack etwas zu Deutsch: Superkorrekt, supersauber, ungemütlich eingerichteter Gemeinschaftsraum (Kiefernholzgarnitur), der Ofen wird nicht angeworfen, obwohl es bitter nötig wäre. Dank freundlicher Gastgeber und guten Frühstücks lässt es sich trotzdem sehr gut aushalten. Um unserem Mangel an sauberer Wäsche Abhilfe zu schaffen, gehen wir (auf Empfehlung des Hostels) zur Wäscherei um die Ecke. Es handelt sich um die teuerste Wäscherei unserer ganzen Reise: Fast 20 Euro bezahlen wir für eine Ladung von 6 Kilogramm. Mangels Alternativen bezahlen wir und hoffen, dass sich der Preis im Service niederschlägt: Falsch gedacht! Die Wäsche ist später als vereinbart fertig, so dass wir am Ende fast unseren Bus verpassen. Zudem fehlen 4 Paar Socken. Eine intern geführte Abhakliste soll belegen, dass hier alles rechtens ist. Diskussionen in rudimentärem Spanisch helfen nichts. Was soll man da machen? Socken ade!

Die Stadt selbst hat außer ca. 3798 Kirchen und einer Shoppingmall mit Kino nicht viel zu bieten. Also gehen wir am ersten Abend zusammen mit der netten Engländerin Elinor ins Kino und schauen uns Ironman 3 an. Am nächsten Tag machen wir uns zu Fuß auf und wandern am Strand entlang ins 10 Kilometer entfernte Coquimbo. Im Laufe unseres Ausflugs gesellen sich drei Hunde zu uns. Der treueste von Ihnen (Eine Sie, wir nennen sie Chewy, wegen des Kaugummis in ihrem Fell) ist uns richtig ans Herz gewachsen. Sie folgt uns auf Schritt und Tritt, vor dem Supermarkt wartet sie auf uns und freut sich als wir wieder rauskommen. Bis wir zu guter Letzt in einen Bus einsteigen begleitet sie uns. Durch das Busfenster müssen wir mit ansehen, wie ein großer fetter Hund über sie herfällt und versucht sich an ihr zu vergehen. Wir fühlen uns schlecht.

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Das Highlight Coquimbos ist ein riesiges Betonkreuz, das am höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde. Selbst vom 10 Kilometer entfernten La Serena ist es mit Leichtigkeit zu erblicken. Im Mittelteil des Kreuzes führen zwei Aufzüge nach oben. Durch die Fenster in den Seitenteilen hat man einen fantastischen Ausblick auf die Stadt und die Küste.

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Im Anschluss reisen wir von La Serena aus das Elqui-Tal hinauf. Hier, so behaupten die Chilenen, sei der Geburtsort des grappaähnlichen Gebräus namens Pisco. Um dieser Behauptung Nachdruck zu verleihen hat man vor einigen Jahren sogar das kleine Örtchen La Unión in Pisco Elqui umbenannt. Dort waren wir zwei Tagen lang, haben die schöne Gegend erkundet und eine Pisco Destillerie besucht.

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Auf dem Rückweg das Tal hinunter legen wir einen Stopp im Städtchen Vicuña  ein. Die geographischen Gegebenheiten der Gegend haben einen äußerst klaren Nachthimmel zur Folge. Die Sichtverhältnisse zählen zu den Besten der Welt, so dass Teleskope von Forschungseinrichtungen aller Herren Länder auf den Bergen der Gegend errichtet wurden. Wir fahren zu einem der Teleskope aus der Stadt hinaus, um Galaxien, Sterne und Sternbilder zu beobachten. Der Anblick der sich ergibt ist einzigartig: Abertausende von Himmelskörpern sind bereits mit dem bloßen Auge zu erkennen. Ein Arm der Milchstraße und das Zentrum zeichnen sich deutlich am Himmel ab. Sogenannte dunkle Nebel, die das Licht dahinterliegender Himmelskörper absorbieren, resultieren in dunklen Flecken am Himmel. Diese Flecken wurden von den Inkas als Tierbilder wie Schlange oder Lama interpretiert. Beim Blick durch das Teleskop werden dann Details sichtbar: Aus einem kleinen Punkt wird ein ganzer Sternhaufen, der Saturn hat plötzlich Ringe. Am nächsten Tag wandern wir auf den Cerro de la Virgen, ein kleiner Hügel am Stadtrand, der einen netten Blick auf die Stadt und in das Elqui-Tal bietet. Gegen Mittag fahren wir dann mit einem kleinen Bus, zurück nach La Serena, um von dort aus am frühen Abend die 18-stündige Busfahrt nach San Pedro de Atacama anzutreten.

Mit ganz großen Schritten …

… reisen wir in Richtung Ecuador. Und das ziemlich zügig. Gestern sind wir von Copacabana, Bolivien aufgebrochen und nachmittags in Puno, Peru angekommen. Heute geht es weiter nach Cusco.

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Wir sind von Santiago aus auf der chilenischen Seite hochgereist, haben nach der Atacamawüste wieder nach Argentinien gewechselt und sind von dort aus über die Anden nach Tupiza, Bolivien gefahren. Von dort ging es durch atemberaubende Landschaften nach Uyuni; es folgte ein Besuch in den Silberminen Potosís, eine Magenverrenkung in Sucre und ein Ausflug in den Bolivianischen Dschungel. Was wir genau erlebt haben, berichten wir in Kürze ausführlich.