Sterne, Schnaps und Sockenschwund

Nachdem wir Santiago im Schnelldurchlauf erkundet haben geht es im Nachtbus weiter zu Küstenstadt La Serena. Ausnahmsweise haben wir im Voraus ein Zimmer im Hostel Casa Maria reserviert, um uns die Sucherei in der Frühe (Ankunft 6:30 Uhr) zu ersparen. Leider reagiert niemand auf unser Klingeln, so dass wir uns doch noch auf die Suche begeben müssen. Wir landen in dem von Deutschen betriebenen Hostel El Punto. Für unseren Geschmack etwas zu Deutsch: Superkorrekt, supersauber, ungemütlich eingerichteter Gemeinschaftsraum (Kiefernholzgarnitur), der Ofen wird nicht angeworfen, obwohl es bitter nötig wäre. Dank freundlicher Gastgeber und guten Frühstücks lässt es sich trotzdem sehr gut aushalten. Um unserem Mangel an sauberer Wäsche Abhilfe zu schaffen, gehen wir (auf Empfehlung des Hostels) zur Wäscherei um die Ecke. Es handelt sich um die teuerste Wäscherei unserer ganzen Reise: Fast 20 Euro bezahlen wir für eine Ladung von 6 Kilogramm. Mangels Alternativen bezahlen wir und hoffen, dass sich der Preis im Service niederschlägt: Falsch gedacht! Die Wäsche ist später als vereinbart fertig, so dass wir am Ende fast unseren Bus verpassen. Zudem fehlen 4 Paar Socken. Eine intern geführte Abhakliste soll belegen, dass hier alles rechtens ist. Diskussionen in rudimentärem Spanisch helfen nichts. Was soll man da machen? Socken ade!

Die Stadt selbst hat außer ca. 3798 Kirchen und einer Shoppingmall mit Kino nicht viel zu bieten. Also gehen wir am ersten Abend zusammen mit der netten Engländerin Elinor ins Kino und schauen uns Ironman 3 an. Am nächsten Tag machen wir uns zu Fuß auf und wandern am Strand entlang ins 10 Kilometer entfernte Coquimbo. Im Laufe unseres Ausflugs gesellen sich drei Hunde zu uns. Der treueste von Ihnen (Eine Sie, wir nennen sie Chewy, wegen des Kaugummis in ihrem Fell) ist uns richtig ans Herz gewachsen. Sie folgt uns auf Schritt und Tritt, vor dem Supermarkt wartet sie auf uns und freut sich als wir wieder rauskommen. Bis wir zu guter Letzt in einen Bus einsteigen begleitet sie uns. Durch das Busfenster müssen wir mit ansehen, wie ein großer fetter Hund über sie herfällt und versucht sich an ihr zu vergehen. Wir fühlen uns schlecht.

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Das Highlight Coquimbos ist ein riesiges Betonkreuz, das am höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde. Selbst vom 10 Kilometer entfernten La Serena ist es mit Leichtigkeit zu erblicken. Im Mittelteil des Kreuzes führen zwei Aufzüge nach oben. Durch die Fenster in den Seitenteilen hat man einen fantastischen Ausblick auf die Stadt und die Küste.

spaziergang pisco-elqui kaktus

Im Anschluss reisen wir von La Serena aus das Elqui-Tal hinauf. Hier, so behaupten die Chilenen, sei der Geburtsort des grappaähnlichen Gebräus namens Pisco. Um dieser Behauptung Nachdruck zu verleihen hat man vor einigen Jahren sogar das kleine Örtchen La Unión in Pisco Elqui umbenannt. Dort waren wir zwei Tagen lang, haben die schöne Gegend erkundet und eine Pisco Destillerie besucht.

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Auf dem Rückweg das Tal hinunter legen wir einen Stopp im Städtchen Vicuña  ein. Die geographischen Gegebenheiten der Gegend haben einen äußerst klaren Nachthimmel zur Folge. Die Sichtverhältnisse zählen zu den Besten der Welt, so dass Teleskope von Forschungseinrichtungen aller Herren Länder auf den Bergen der Gegend errichtet wurden. Wir fahren zu einem der Teleskope aus der Stadt hinaus, um Galaxien, Sterne und Sternbilder zu beobachten. Der Anblick der sich ergibt ist einzigartig: Abertausende von Himmelskörpern sind bereits mit dem bloßen Auge zu erkennen. Ein Arm der Milchstraße und das Zentrum zeichnen sich deutlich am Himmel ab. Sogenannte dunkle Nebel, die das Licht dahinterliegender Himmelskörper absorbieren, resultieren in dunklen Flecken am Himmel. Diese Flecken wurden von den Inkas als Tierbilder wie Schlange oder Lama interpretiert. Beim Blick durch das Teleskop werden dann Details sichtbar: Aus einem kleinen Punkt wird ein ganzer Sternhaufen, der Saturn hat plötzlich Ringe. Am nächsten Tag wandern wir auf den Cerro de la Virgen, ein kleiner Hügel am Stadtrand, der einen netten Blick auf die Stadt und in das Elqui-Tal bietet. Gegen Mittag fahren wir dann mit einem kleinen Bus, zurück nach La Serena, um von dort aus am frühen Abend die 18-stündige Busfahrt nach San Pedro de Atacama anzutreten.

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