Heil Pickler!

Am frühen Morgen wache ich auf und bemerke, dass der Bus steht. Links und recht von uns: Nichts als Sand und Geröll. Vor und hinter uns: Stehende Busse, LKWs und Autos. Die Ursache: Wir sind in der Atacamawüste und die Minenarbeiter der Gegend haben beschlossen an diesem Tag zu streiken und die Straße zu blockieren. Wir sind noch etwa zwei Fahrtsunden von unserem Ziel San Pedro de Atacama entfernt. Nach etwa einstündigem Warten wirft der Busfahrer den Motor an, zieht nach links auf eine Holperpiste und fährt an dem ganzen Stau vorbei. Warum nicht gleich?

streik hundi vesper

Nach unserer Ankunft in San Pedro begeben wir uns auf ‘Wohnungssuche’. An Angeboten mangelt es nicht: An jeder Ecke drückt einem jemand ‘nen Flyer mit ‘nem Angebot in die Hand. Wir gehen dann mit einem verzottelten Typen mit, der uns eine tolle Unterkunft am Ortsausgang verspricht. Und in der Tat – zu einem vernünftigen Preis gibt es ein nettes Zimmerchen. Außerdem überzeugen der chaotische aber gemütliche Hof, auf dem sich der Haushund tummelt und die französische Bäckerei, die mit auf dem Gelände ist. Wir kaufen gleich mal ein leckeres Sauerteigbrot und vespern im Hof.

 valle-de-la-luna

Am nächsten Tag machen wir uns gemeinsam mit unseren Reisebekannten James und Matt auf ins Valle de la Luna (Mondtal) auf. Das Tal ist äußerst schön, doch leider haben wir die Tour mit einem empfohlenen Anbieter gebucht, und das ganze ist der bis dahin schlimmste Touriausflug unserer Reise: Fahren – Fotostopp – Fahren – Fotostopp – Fahren… Das ganze wird noch verschlimmert durch den Guide, der ununterbrochen seine Sparwitze zum Besten gibt, und das abwechselnd in zwei Sprachen. Unsere Empfehlung für Nachahmer: Fahrrad leihen und die Gegend per Rad erkunden.

Am Abend gehen wir zunächst in James’ und Matts Hostel, dort wird groß gefeiert: Ein großes Feuer und Alkohol machen die bitterkalte Nacht erträglich. Ein Chilene gesellt sich zu uns, und als wir uns als Deutsche zu erkennen geben, tönt ein ‘Heil Pickler!’ aus seinem Hals (wirklich, so wie bei Eiterpickel…). Wir wirken wohl verstört und ein anderer Chilene kommt hinzu und erklärt: Es handle sich um eine Abänderung des Führergrußes unter Verwendung des Wortes Pickles (in Essig eingelegtes Gemüse) – eine Adolf-Parodie sozusagen. Haha. Danach geht es weiter zu einer Party mitten in der Wüste. Eine dreiviertel Stunde laufen wir ungefähr, die Füße mittlerweile zu Eisklötzen gefroren – Feiern ist im Ort wohl nicht erlaubt. Die Party glänzt mit schlimmer Musik, ist aber trotzdem ganz witzig. Irgendwann kommt ein Chilene zu mir (ein richtiger Indigener, der wie ein Indianer aussieht) und fragt mich nach Name und Nationalität. Die Antwort lässt ihn vor mir salutieren und ‘Heil Pickler!’ rufen. Diesmal aber der echte Führergruß. Ohne Pickel. Spinner! Auf dem Nachhauseweg stellen wir fest, dass wir auf dem Hinweg die Grenzstation passiert und Chile somit verlassen hatten. Wir haben also im Niemandsland gefeiert. Verrückt!

Die Worte des Bäckers klingen noch in meinem Ohr als wir um 5 Uhr schlafen gehen: Wenn Du morgen früh um 8 Uhr kommst, hast Du die volle Auswahl. Also stelle ich den Wecker auf 8 Uhr und werde drei Stunden später geweckt. Völlig verkatert stolpere ich zum Bäcker, kaufe 5 Croissants und ein Baguette – für uns beide – und lege mich wieder schlafen. Wir essen zwei Tage lang an den Vorräten. Den Tag über machen wir nicht viel außer unseren Kater auszukurieren und eine Tour zur Salzwüste von Atacama und den umliegenden Dörfern und Seen für den nächsten Tag zu buchen.

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