Nicht viel Spaß in La Paz

Nach unserer schönen Zeit in Sucre geht es im Nachtbus weiter nach La Paz: Wir verabschieden uns von James und Matt und fahren im Taxi zum Busbahnhof. Maik aus Deutschland ist diesen Nachmittag in Sucre angekommen – wir treffen ihn aber leider nicht mehr. Die Nacht im Bus ist recht angenehm, denn wir haben uns wieder einmal für die Variante mit den breiten, bequemen Sitzen entschieden. Lediglich die Tatsache, dass uns regelmäßig nach Schwefel riechende Rülpser entweichen mindert den Reisekomfort. Die ganze Fahrt dauert 12 Stunden. Nach etwa 6 Stunden, also mitten in der Nacht, stoppt der Bus in einem Kaff an einer Art Markt oder Kaffee – die bolivianische Variante der Autobahnraststätte. Der Fahrer kommt nach oben und verkündet, dass jetzt die letzte Möglichkeit für einen Gang zur Toilette sei. Dass die Bordtoilette außer Betrieb ist, war mir bis dahin gar nicht aufgefallen. Alle, die die Möglichkeit nutzen wollen, strömen nach draußen und pinkeln drauf los – unmittelbar vor dem Bus: Die Männer an die Hauswand des Gebäudes, die Frauen auf den staubigen Gehweg. Na prima. Am frühen Morgen sind wir dann in La Paz und machen uns auf den Weg zum dem nahegelegenen Hostel, in dem wir ausnahmsweise reserviert haben: Ein Doppelzimmer mit eigenem Bad – eine kluge Maßnahme, wie sich noch an diesem Tag herausstellen wird. Als wir ankommen ist unser Zimmer noch nicht geräumt. Wir beschließen erst mal zu frühstücken. Allerdings bahnt sich bei Jacqueline etwas an, der Besuch des Klos drängt sich auf. Also bediene nur ich mich am Pancake-Buffet, obwohl auch mein Magen sich noch nicht ganz gesund anfühlt. Plötzlich kommen Ellie und Chris, ein Paar aus England, die Treppe herunter. Die beiden hatten wir vorher schon in Potosí und Sucre getroffen. Wir gehen mit Ihnen in die Stadt, treffen unterwegs noch ein paar andere Reisende und nehmen ein kleines Frühstück ein: Avocado-Käse-Sandwich und Saft bzw. Tee. Schonkost, wie wir uns einreden. Nach einem kurzen Besuch des Kleidermarktes (für Touris) kehren wir in die Unterkunft zurück. Da wir uns beide nicht so fit fühlen legen wir ein Mittagsschläfchen ein.

Panorama1

Am Nachmittag wachen wir wieder auf, fühlen uns besser und beschließen den Rest des Tages noch zur Stadterkundung zu nutzen. Was bietet sich da besser an, als einer der Aussichtspunkte, die auf dem Stadtplan eingezeichnet sind. Wir düsen mit dem Kleinbus für umgerechnet 15 Cent durch die Stadt. Am Aussichtpunkt angekommen, scheint es, dass wir  hunderten von bolivianische Familien hierher gefolgt sind. Die Sonne ist nun leider schon soweit gesunken, dass eine Hälfte der Stadt bereits im Schatten liegt. Hier wird deutlich, dass La Paz von Bergen eingekesselt ist. Die Häuser kleiden das ganze Tal aus und legen sich wie ein Teppich über die hügelige Umgebung. Angeblich ist per Gesetz festgelegt, dass erst mit dem Außenanstrich ein Haus als fertiggestellt gilt und dann eine Art Grundsteuer zu entrichten ist. Also streicht der pfiffige Paceño (Bewohner von La Paz) sein Haus einfach nicht, wodurch sich die ziegelrote Einheitsfärbung der Stadt ergibt. Vielleicht hat er aber auch einfach nicht das nötige Geld, um sein Haus noch schön anzustreichen. Wir kehren dann zu Fuß zum Hostel zurück, kommen noch an einem Breakdance-Wettbewerb vorbei und trinken zum Abschluss des Tages ein Bierchen mit Ellie und Chris. Die beiden machen sich am nächsten Tag auf zum Lago Titicaca (Titicacasee). Für uns zahlt sich in der folgenden Nacht die Anmietung eines Zimmers mit eigenem Bad voll aus: Wahrscheinlich in Sucre haben wir uns eine schlimme Magen-Darm-Infektion zugezogen, welche uns im 30-Minuten-Takt auf’s Klo zwingt. Den kommenden Tag schaffen wir es völlig entkräftet erst am Mittag aus dem Zimmer. Wir wollen uns mit einer Suppe stärken: Hühnerbrühe ist gut, denken wir, und machen es uns in einem Lokal bequem, in dem sonst nur Bolivianer sitzen. Weit gefehlt: Dummerweise wird das Essen hier nach landläufiger Art zubereitet, bei der sämtliche Fleischsorten aus dem Angebot in ein und dem selben Sud gekocht werden. Dieses Huhn hat die letzten Stunden mit einem Hammel gemeinsam im Topf verbracht. Der Sud schmeckt abartig, zumindest für Magen-Darm-Kranke. Wir schlürfen ein bisschen rum, trinken unser Süßgetränk aus und besichtigen noch etwas die Stadt. Auf dem Markt sehen wir erneut Lamaföten, die zum Kauf angeboten werden.

Huehnerbruehe Krimskrams BesterBaeckerDerWelt Park

Weiter geht es Richtung Gefängnis. Unterwegs kommen wir noch am besten Bäcker der Welt vorbei (das nehmen wir an, als wir die ewig lange Warteschlange sehen). Auch dessen leckeres Angebot kann uns denn Appetit nicht zurückbringen. Das Gefängnis von La Paz, San Pedro genannt, ist bekannt für seine chronische Überbelegung. Ganze Familien wohnen dort und regelmäßig kommt es zu Übergriffen zwischen den Insassen. Gerade kürzlich gab es wieder Zwischenfälle. Das ganze ist nur noch schwer zu kontrollieren, so dass eine Schließung schon lange gefordert wird. Von außen sieht es recht unspektakulär aus. Doch ein schöner grüner Park vor dem Gefängnis lädt zum Verweilen ein. Langsam laufen wir wieder zurück zum Hostel, packen unsere Sachen für den Flug nach Rurrenabaque am nächsten Morgen und hoffen, dass unsere angeschlagene Gesundheit sich über Nacht weiter erholt. Wir hätten gerne mehr von der Stadt gesehen.

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