Von Schweinen, Bier und Sonnenbrand

Am nächsten Morgen machen wir uns auf, um die Stadt zu erkunden und den Tag zu planen. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Halbinsel Yampupata, welche sich von Copacabana Richtung Norden in den Titicacasee hinein erstreckt, ein tolles Ziel für Tagesausflüge bietet. Auf dem Weg hin zum Fischerhafen, unmittelbar vor der Kirche, sehen wir plötzlich parkende Autos, umringt von Menschenmengen. Wir fragen nach. Hier kann man sein Fahrzeug einer Art Weihe unterziehen. Es sind zumeist Kleinbusse und Transporter und alle sind sie mit Blumen geschmückt. Man läuft um das Fahrzeug, bespritzt es mit Bier und spricht Segenswünsche. Dadurch soll das Fahrzeug stets sicher ans Ziel kommen. Die für die Segnung benötigten Utensilien können problemlos an zahlreichen Ständen vor der Kirche erworben werden. Auf dem weiteren Weg sehen wir dann immer wieder große Popcornhaufen mit sehr riesigen Popkörnern (oder wie das heißt). Die zugehörigen Maiskolben hatten wir vorher schon öfter mal bewundert.

Autoweihe Popcorn

Fast am Fischerhafen angekommen finden wir eine Art Touristeninformation, die Tür ist offen und nur durch einen Stuhl verstellt. Drinnen sitzt aber niemand. Auch die benachbarten Geschäfte wissen nichts über den Verbleib des Touristeninformationsmenschen. Wir gehen einfach rein und werden fündig: Wir nehmen uns eine Karte der Halbinsel Yampupata mit und legen unser Tagesziel fest: Yampupata, der gleichnamige Ort an der Spitze der Halbinsel, 17 Kilometer von uns entfernt. Wir fragen noch nach dem Weg aus dem Städtchen heraus und los geht es. Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen, lenkt ein Fußballfeld großer Platz unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ähnlich wie bei einer Messe sind dort kleine Pavillons aufgebaut, umringt von Menschen. Was ist denn hier los? Aufklärungstag! An den Ständen geht es kurz gesagt um Folgendes: Wie wird man Schwanger? Was kann sich dabei sonst noch so einfangen? Was kann man dagegen tun? Kurz später stellen wir fest, dass wir die Sonnencreme vergessen haben. Sollen wir umkehren? Ach nein. Geht auch so… Die Wanderung führt uns an der Küste entlang, vorbei an einer Bäuerin die ihr Schwein ausführt, vorbei an schwimmenden Inselchen, Schilfbooten und vielen anderen Sachen, die es am Ufer so gibt. Wir begegnen einem älteren Mann. Auf unser Buenos Días erwidert er freundlich, dass man hier eigentlich kein Spanisch spräche. Er sei vom Volke der Aymara und würde uns jetzt die korrekte Begrüßung beibringen: Kamisaraki. Er empfiehlt uns noch den Besuch eines Aussichtspunktes in der Nähe unweit des Weges und wünscht uns gute Weiterreise. Wir folgen seinem Tipp: Ein nette Abwechslung; 20 Minuten später geht es weiter nach Yampupata.

schweinfrau schiff 

Nachdem wir schon einiges an Weg zurückgelegt haben, finden wir erstmals Wegweißer und machen einen Abstecher in Richtung “Grotte von Lourdes”. Als wir uns dem heiligen Platz nähern, kommt auch schon eine nette Bolivianerin auf uns zu und bietet uns an, gegen einen kleinen Obolus die Tür zur Marienfigur zu öffnen. Nachdem sie uns von den Wundern berichtet hat, die hier schon vollbracht wurden, erhalten wir noch einen netten Hinweis: Wir sollen von hier aus dem Steinpfad über den Berg folgen. Dieser führe vorbei an ihren grasenden Lamas und ist wohl ein Pfad der Inkas aus präkolumbianischen Zeiten. Der Pfad ist schweißtreibend und führt uns nach ca. 20 Minuten zurück auf den ursprünglichen Weg. Am höchsten Punkt angekommen geht es hinab ins Tal in Richtung Bucht. Der Ausblick ist fantastisch. Wir nähern uns einem Dorf und schon von weitem ist zu erkennen: Hier wird gefeiert – zu Ehren des Patrons San Pedro. Man ist verhältnismäßig chic gekleidet, laute Musik ertönt, es wird getanzt und Bier fließt in Strömen. Bemerkenswert ist, dass die Frauen bei letzterem besonders tüchtig ins Rennen gehen. Auch wir gönnen uns ein Bier und sind zunächst etwas verwundert: Man muss zwei kaufen und der Preis von 25 Bolivianos kommt uns viel vor. Ist das ein Touristennepp? Wir haben allerdings den ganzen Tag lang keine Touristen gesehen, die Einheimischen nehmen das Gesöff auch nur im Zweiergebinde ab, und als wir beim Bezahlen 25 Bolivianos für das Set und nicht pro Flasche bezahlen (also 12,50 Bol = 1,30 Euro pro Liter-Flasche) wird uns klar, dass unsere Bedenken nicht gerechtfertigt waren.

Bucht auf-dem-festfest feld

Das Bier trinken wir an einem Campingtisch mit Platikstühlen bei ohrenbetäubender Musik. Anschließend geht es weiter, aus dem Dorf hinaus. Wir sehen fleißige Bauern, die Ihre Kartoffeln zum Trocknen in der Sonne auslegen. Einer von Ihnen steht aus der Hocke auf, läuft auf uns zu und stellt sich uns vor: Don Hilario sei sein Name, und Freunde aus der ganzen Welt habe er. Wir sollen kurz warten. Nach zwei Minuten kehrt er zurück, in einer Hand Unmengen von Postkarten in der anderen einen verranzten Lonely Planet. Wir schauen die Postkarten durch und tatsächlich: Von überall hat man ihm Postkarten geschickt. Einige von ihnen hätten wahrscheinlich in einem Postkartenmuseum ihren wohlverdienten Platz gefunden. Dann lesen wir einen Eintrag im Lonely Planet, den er uns offen vor die Nase hält: Wer hier entlang wandert wird mit Sicherheit Don Hilario begegnen. Ein Landwirt der nur zu gerne seine Postkartensammlung zeigt und sich ein Zubrot mit Bootsfahrten zur gegenüberliegenden Landzunge verdient… Nach kurzer Verhandlung sitzen wir auch schon auf seinem Kahn und schippern dort hin. Der Ausflug ist sehr schön und kurzweilig. Wir hatten diese längliche Landmasse schon von der Ferne bewundert und jetzt stehen wir drauf; Don Hilario gibt uns einen Einblick in die lokale Geschichte. Es gibt eine kleine Bucht, die so verborgen liegt, dass die Inkas dort Zuflucht vor den Spaniern und sonstigen Eroberern gefunden haben. Zudem hat man eine gut Aussicht. Alles in allem ein gelungener Ausflug vom Ausflug.

aufmkahn landzunge

Nach unserer Rückkehr geht es weiter, immer noch unser Ziel Yampupata vor Augen. Don Hilario rät uns zur Rückkehr, da von Yampupata zu dieser Zeit kaum noch Colletivos (Taxis) fahren. Wir laufen trotzdem weiter und genießen das Licht der Dämmerung. Allerdings fällt uns auch auf, dass die Strecke kaum noch befahren wird. Wenn überhaupt, dann sind die Autos mit Feierwütigen beladen, die sich zum San-Pedro-Fest fahren lassen. Kurz vor dem Ziel, als die Sonne dann gerade verschwunden ist, sehen wir ein Taxi die Straße entlangfahren und nutzen die Chance. Zwei reisende Mädels hatten sich vom Hafen in Yampupata abholen lassen – großer Zufall. Wir dürfen mitfahren. In Copacabana angekommen  treffen wir wir Rhiannon und Jamie wieder, die wir auf dem Dreitagestripp in Rurrenabaque kennengelernt haben. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen: Gemeinsam wollen wir zur Isla del Sol, der größten Insel im Lago Titicaca. Im Hostel angekommen bemerken wir was die Sonne angerichtet hat: Einer der schlimmsten Sonnenbrände die ich (Daniel) je im Gesicht hatte. Mehr als zwei Wochen lang blättert mir die verbrannte Haut von der Nase…

KornInSonne sonnenuntergang2

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2 Gedanken zu „Von Schweinen, Bier und Sonnenbrand

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