Piranhas zum Tee

Und wieder ein Flug. Unsre Reisezeit wird langsam knapp und das Busabenteuer auf der wohl gefährlichsten Straße der Welt muss ohne uns stattfinden. Schade! Das nächste Mal sind wir wieder mit dabei…

Von anderen Reisenden wurden wir vorgewarnt, dass das regenreiche Klima im bolivianischen Amazonasbecken zu Verzögerungen unsres Abflugs führen könnte. Tatsächlich. Beim Check-In um 9.00 Uhr erfahren wir, dass sich heute noch kein Flugzeug nach Rurrenabaque aufgemacht hat. Es regne dort einfach zu stark und es könne daher etwas länger dauern. Eigentlich ganz praktisch, denn im Flughafen gibt es kostenloses Internet und ausreichend viele Steckdosen für gestrandete Reisende – wir vertreiben uns die Zeit mit Bilder sortieren, telefonieren nach Hause und beobachten das Kommen und Gehen in der Wartehalle. Eine ältere Frau kippt wortwörtlich aus ihren Latschen, welche anschließend alleine die Rolltreppe nach oben fahren. Sie wird sofort professionell versorgt und kommt mit einem Schrecken davon. Das Lachen können wir uns allerdings nur schwer verkneifen.

Im Stundentakt werden wir von freundlichen Amaszonas-Mitarbeitern informiert, dass es unklar ist, wann geflogen werden kann und ob. Um 17.00 Uhr geht es tatsächlich los; wir dürfen ins Flugzeug, dort warten wir weitere 45 Minuten auf die Starterlaubnis und heben doch noch ab. Knapp 40 Minuten später kommen wir auch schon im Tiefland an und verstehen, warum wir so lange warten mussten – Sichtanflug ohne Sicht geht halt nicht. Es ist feucht, es ist warm und einfach toll; fast wie nach Hause kommen ins mittelamerikanische Klima 🙂

hohe-berge río-beni landung

Vom Flugplatz führt eine schlammige Straße nach Rurrenabaque, dem Dorf am Río Beni, dass ein bisschen aus den Nähten zu platzen scheint: Die Hauptstraße ist gespickt mit Tour-Anbietern, Märkten und Comedores. Die Sommersonnenwende (Johannistag) wird hier immer noch gefeiert (es ist der 23.06.13) und alle Nase lang fliegen Kracher auf die Straße und man prostet sich fröhlich zu. Am nächsten Morgen bewundern wir das Ergebnis – eine lange LKW-Schlange, die sich durchs Dorf zieht; der Fährbetrieb fällt aus, da die Arbeiter zu ausgiebig gefeiert haben und nicht zur Arbeit erschienen sind. Hier stört das keinen. Man reagiert gelassen 🙂

strasse-in-rurre im-regen lkw-schlange

Warum fährt der Reisende eigentlich nach Rurre? fragt ihr euch vielleicht….  Pampas oder Dschungel, das ist hier die Frage. Flussabenteuer mit Gauchos oder Überlebenstraining mit Indígenas im Madidi-Park? Wir sind hin und her gerissen und können uns nicht entscheiden. Für beides haben wir nicht genug Zeit. Da es die Nacht durchgeregnet und -gewittert hat, vertagen wir die Entscheidung und genießen französische Spezereien (Croissant-Bäcker scheinen sich gerne in Südamerika niederzulassen…), buchen Rückflüge nach La Paz und erkunden den Ort. Bei einem Bierchen fällt die Entscheidung: Da wir in Nicaragua und Costa Rica schon im Regenwald wandern waren, melden wir uns für eine 3-Tages-Pampas-Tour an. Am nächsten Morgen beginnt unsere Reise im Jeep. Mit an Board sind zwei Däninnen namens Cecilia und Sila sowie Rhiannon und Jamie, ein englisches weltreisendes Paar. Wir sind uns gleich sympathisch und bei unserem Plausch über Tiere und co. stellen wir fest, dass wir einen gemeinsamen Reisefreund haben – Maik. Mit ihm haben sie vor Monaten in Argentinien eine Woche lang Orcas beim Jagen beobachtet. Was für ein Zufall!

erster-halt 

Hatten wir noch über die Tour-Gruppe gelacht, die in der Tanke neben uns warten mussten, weil der Jeep nicht angesprungen ist, so wird unsre Schadenfreude umgehend belohnt: wir bleiben in einem riesigen Matschloch stecken. Der Jeep von der Tanke überholt und und die Insassen winken uns grinsend zu… Das hat man nun davon. Mit 1,5 h Verzögerung erreichen wir dennoch unser Ziel, das kleine Kuhdorf Santa Rosa. Nach einem leckeren Mittagessen fahren wir zu unserem Einbaum mit Außenborder und beginnen die eigentliche Tour auf dem Río Yacuma. Blutdürstende Moskitos haben den Regen abgelöst; eingehüllt in eine Wolke Off! Deep woods ganz gut zu ertragen. Die Bootsfahrt ist schön. Wir sehen gleich ein paar träge Capybaras (überdimensionales Meerschwein, siehe Bild) am Ufer grasen, Paradiesvögel (Bild, sehen eher aus wie ein Urzeithuhn) zetern, lassen sich ansonsten nicht durch uns stören. In unsrem Stelzenhaus werden wir von netten Damen mit Kaffee, Tee, Keksen und Popcorn empfangen. Der Regen hat mittlerweile wieder eingesetzt und ergänzt die fremdartigen Urwaldgeräusche mit Geprassel. Wir sitzen gemütlich mittendrin und reden mit unserem Guía Marcelo über seine Lebensgeschichte. Er ist in einem kleinen Dorf im Urwald geboren worden, musste zum Geldverdienen in die “Stadt” Rurrenabaque umziehen, und vermisst seither das Leben im Einklang mit der Natur. Was er über Heilpflanzen und Tiere weiß, hat er von seinem Vater gelernt. Er erzählt uns auch über die Armut und das ungewohnte Leben der Indígenas fern der eigenen Wurzeln, in dem Alkohol zum Problem wird. Gegen Mitternacht gewittert es. Der Regen hält bis zum nächsten Morgen an.

capybaras paradiesvogel affe

So warten wir auf besseres Wetter, schnappen uns ein Kartenspiel und vertreiben uns bis zum Mittagessen die Zeit mit Shithead. Der Regen lässt nicht nach, also ziehen wir trotzdem los. Beim Schwimmen mit den Flussdelfinen wären wir ja ohnehin nass geworden und angeln kann man auch im Regen. Dank blutiger Rindfleischstücke fangen wir sogar zehn Piranhas, die groß genug zum Essen sind. Da ich die Fische nicht töten oder ihnen auch nur den Haken rausziehen kann, gehe ich zum füttern über 🙂

petri-heil piranha piranha-gegrillt

Nach einer Stunde fahren wir zum Lieblingsbadeplatz der Flussdelfine. Drei Stück sind uns schon neugierig gefolgt. Es kostet etwas Überwindung ins bräunliche Wasser zu springen, aber wir werden belohnt: Es ist eine magische Stimmung. Um uns herum nur Vogelstimmen und leises Geplätscher. Die Delfine umkreisen uns; stupsen den einen oder anderen vorsichtig an. Wir sind ganz andächtig und berührt. Zurück zur Hütte lassen wir uns ohne Motor treiben, genießen die Wildnisgeräusche und das leise Plätschern unsres Bootes. Einige der kamerascheuen Tiere folgen uns ein Weilchen. Wunderbar!

Zum Nachmittagstee laben wir uns an unsrem Fang. Die Fische sind fein, aber klein: die Fleischmenge an den Piranhas entspricht in etwa dem Würfelchen Rindfleisch, mit welchem wir sie gefangen haben. Das Abendessen ist wieder köstlich und wird mit Kuchen und Wein abgerundet. Gegen halb neun brechen wir zu unsrem nächtlichen Bootsausflug auf; unzählige Kaimanaugen reflektieren das Licht unsrer Stirnlampen, Fledermäuse und Nachtvögel ziehen ihre Kreise über unsre Köpfe. Wir machen den Motor aus und tauchen ein in diese friedliche Stimmung.

Am nächsten Morgen lässt der Regen nach; wir erkunden den Curichal, das Sumpfland, das Anakonda und Kaiman bewohnen. Etwa 1,5 Stunden lang stapfen wir in Gummistiefeln durch modrig stinkende Grasteppiche, werden von allerlei Mücken belästigt und finden nur abertausende Grashüpfer. Die Kaimane faulenzen im See, die Anakondas bleiben im Untergrund. Trotzdem nett so ein Spaziergang.

keine-anakonda 

Unser eigentliches Abenteuer beginnt nach dem Mittagessen: Marcelo bringt uns per Boot zurück nach Santa Rosa. Dort warten wir etwa drei Stunden auf unseren Jeep. Marcelo ist schon nach einer Stunde zurückgefahren, um eine neue Gruppe zu führen. Wir sind auf uns gestellt. Nach zwei Stunden kommt die Info: der Jeep ist kaputt. Ein anderer Jeep kann nicht kommen, weil die Straße zu schlecht ist. Vier von uns könnten mit einem Kombi zurückfahren. Na das kann ja heiter werden. Unseren Rückflug werden wir ziemlich sicher verpassen. Da zwei Franzosen zusammen mit unsrer Gruppe zurückgebracht werden sollen, muss noch ein zweites Autos organisiert werden. Wir fragen uns, wie wir das über die schlammige Schlaglochpiste  nach Rurre ohne Jeep packen sollen. Nach einer weiteren Stunde des Suchens hat sich ein zweiter Fahrer gefunden, der sich die Höllenfahrt zutraut. Er ist gefühlte 17 und braucht wohl das Geld… Die ersten Kilometer sind wir positiv überrascht. In Paris-Dakar-Manier schlängelt er sich an den Schlaglöchern vorbei. Das ganze wird von lauter Panflötenmusik begleitet. Eine der Köchinnen sitzt auf dem Beifahrersitz und gibt dem Fahrer Fahr-Tipps. Als wir steckengebliebene Lastwägen, die wiederum von Lastwägen abgeschleppt werden, passieren wollen geschieht es. Das erste Auto mit dem erfahrenen Fahrer wühlt sich erfolgreich durch die Matschgrube hindurch und wartet hinter den Lastern auf uns. Die Anspannung unsres Jungspundes ist greifbar. Unser Schwung war nicht groß genug. Wir sitzen fest. Kacke. Beim Versuch raus zu beschleunigen, gräbt sich unser Auto noch weiter ein.

rueckfahrt

Gegen einen kleinen Obolus werden wir von einem der Laster herausgezogen. Die ehemals auf hochglanzpolierten Lackturnschuhe unsres Fahrers sind jetzt von einer triefenden Schlammschicht überzogen. Seine erste Hürde hat er genommen. Weiter geht es an bedrohlich wankenden Reisebussen (!) vorbei in Richtung Heimat. Nach etwa vier Stunden sind wir heil in Rurre angekommen. Unser Fahrer freut sich über ein ziemlich gealtertes Auto und eine gute Provision. Vom Tour-Anbieter erfahren wir, dass es so stark geregnet hat, dass unser Flugzeug gar nicht starten konnte. Wir sollen am nächsten Morgen irgendwann bei der Fluggesellschaft vorsprechen. Mit Rhiannon und Jamie gehen wir noch was essen und stoßen auf unser Abenteuer an. Schön war’s!

rurrenabaque

Advertisements

Oh Sucre, du schöne Stadt

Dank seiner hohen Lage auf fast 4.000 m ist es auch in Potosi ziemlich kalt; nur im direkten Sonnenlicht schafft es die Wärme in unsre kalten Knochen. Wir sind jetzt seit zwei Monaten in der Kälte und sehnen uns richtig nach Kurze-Hosen-Wetter, was es hoffentlich in dem ca. 1.200 m tiefer liegenden Sucre gibt. Zumindest die Wetter-App verspricht über 20 °C…

Da wir morgens noch unsre Heimflüge nach Deutschland buchen, kommen James, Matt und wir erst gegen Mittag los, stärken uns auf dem Markt mit bolivianischem Spießbratenbrötchen (köstlich!) und fahren mit dem Taxi gen Nordosten nach Sucre. Die Sonne scheint, unser Tank ist diesmal voll und wir haben es genau richtig getimed: Das Autorennen um Sucre ist grade zu Ende gegangen, der Stau löst sich auf und wir sind im Warmen, ja wir schwitzen sogar ein bisschen. Toll. Auf der Plaza Mayor wird die Rallye gefeiert; gut betankte, freundliche Rennfahrer und ihre Fans stützen sich an den Bierständen ab und laden uns gleich mal ein. Wie so oft ist „Ustedes son de Alemania, ohhhhh Bayern Munitsch“ unsre Eintrittskarte. So macht Fußball Spaß – selbst für Ahnungslose Smile

 plaza-mayor der-gewinner prosit

Frühstück gibt es auf dem Mercado Central: Fruchtshake, Obstsalat mit pinkfarbenem Joghurt und Eischneetopping, Empanadas, Reis mit Hühnchen und Salat, Erdnusssuppe und noch viel mehr. Wir arbeiten uns durch’s Programm. Zu Fuß erkunden wir die Stadt, ruhen uns in den zahlreichen Parks aus und futtern, was der Straßenverkäufer grade so anbietet, oder sitzen in einem der vielen netten Cafés in der Sonne.

unser-stand erdnusssuppe milanes-mit-reis-und-salatobststaende obstsalat mini-donat

Diese Stadt hat Flair. Sie lädt ein zum Müßiggang und wir fühlen uns hier richtig wohl. Daniel bekommt sogar nach Monaten mal wieder ein Jever in die Kehle. Es läuft in wenigen Tagen ab und schmeckt leider gar nicht so, wie er es sich vorstellt. Gut, dass ich bei Sureña geblieben bin.

jever

An unsrem dritten Tag besuchen wir den Bauernmarkt. Hier werden neben Gemüse, Obst, Fleisch, Klamotten etc. die nötigen Zutaten für die althergebrachten Rituale feilgeboten. Vom Räucherwerk bis hin zum Lamafötus gibt es hier alles – Überwiegend sind es Kräuter und Harze zum Verbrennen. Wir sehen aber auch Knochen aller Art, Flamingo-, Adler-, Falkenflügel, Tukanschnäbel. Händler stellen sachkundig Opferpakete zusammen, um Pachamama zu danken oder böse Schwingungen abzuwenden. In den stilleren Ecken des Marktes beraten und agieren Heiler. Wir sind fasziniert. Es erinnert uns an Guatemala, wo der Aberglaube ebenfalls noch lebendig ist und sich mit der aktuellen Religion vermischt. Am späten Nachmittag fahren wir ans andere Ende der Stadt, um an der Kirche La Recoleta die blaue Stunde mit ein paar Bierchen zu genießen. Hier sieht es aus wie in der Toskana und man hat einen tollen Blick auf Sucre. Auch hier ist wieder ein kleiner Markt. Wir vier sind in Kauflaune und erstehen Pullover (Matt, James, Jacqueline), Rucksack (Matt) und Mütze (Daniel). Natürlich Alpaka; seltsam ist nur, dass sie wie Acrylpullover knistern… Smile

 bauernmarkt wie-toskana friedhof

Am nächsten Morgen beginnen wir den Tag wieder mit einem Marktbesuch. Komisch, „unser“ Stand ist von der Stadtverwaltung geschlossen worden. Hoffentlich nicht vom Gesundheitsamt, überlegen wir. Die Nachbarin klärt uns auf – Steuern wurden nicht gezahlt. Trotzdem schmeckt uns das Essen heut nicht mehr ganz so gut. Nachmittags besuchen wir den Friedhof. Ziemlich gruselig finde ich die vor sich hin dudelnden Grußkarten zum Muttertag, die an einigen Gräbern stehen. Hier rebelliert auch schon Daniels Magen, er eilt zurück ins Hostal und hütet von da an das Bett. Mal sehen, wie es uns anderen dreien gehen wird. Am nächsten Tag ist er immer noch leidend, aber reisefähig. Wir fahren abends weiter nach La Paz. James wird ein paar Wochen länger in Sucre bleiben, um in einem Sprachkurs sein Spanisch aufzubessern. Matt bleibt auch noch ein bisschen länger. Hätten wir keine Flüge gebucht, würden wir es ihnen gleichtun. Wir sind alle ein bisschen traurig. Vier Wochen waren wir jetzt gemeinsam unterwegs und nun trennen sich unsre Wege.

Ganz viel Salz und große Weiten

Wir haben uns für den Bus um 7.00 Uhr zur Bolivianischen Grenze entschieden, so dass wir gegen Abend in Tupiza ankommen und tags drauf unser Abenteuer durch den Altiplano zum Salar de Uyuni zu beginnen können. Matt und James haben durchgemacht und schlafen den Schlaf der Gerechten im Bus. Daniel und ich genießen die tolle Landschaft durchs Panoramafenster und die köstlichen Snacks, die fliegende Händler bei den Busstopps an den Mann bringen.

matt james unser-jeep

Zu Fuß geht’s über die Grenze, diesmal ohne Verzögerung und mit einem Minivan in das kleine Städtchen Tupiza. Unsere 4-tägige Jeep-Tour zum Salar haben wir bereits gebucht und erhalten am Abend die letzten Instruktionen: Neben Sonnenbrille, Fotoapparat und Coca-Blättern ist Klopapier das wichtigste Utensil für die Reise. Am nächsten Morgen starten wir. Wir vier teilen und mit unsrer Köchin Mabel und unsrem Guide und Fahrer Carlos den Jeep. Luxuriös!  Die Landschaft, die wir am ersten Tag sehen, ist unglaublich: tiefste Täler, unendliche Weite, Lamaherden, Vulkane, Berge, Lagunen, Flüsschen, ab und an gewürzt mit halbverfallenen Lehmhaussiedlungen. Ein wunderbares Gemälde in den Farben Ocker, Gelb, Grün, Braun und Blaublaublau. Der Himmel ist einfach nur phantastisch. Die Bewohner dieser kargen Landschaft leben von Lamazucht und verdienen sich Geld in den zahlreichen Gold-, Silber- und Kupferminen dazu. Wir schlagen unser Nachtlager in einem der Dörfer auf. Der Sonnenuntergang ist kitschig-schön. Wenig später zeigen sich Milchstraße und unendlich viele Sterne am Himmel. Die Nacht bringt bittere Kälte: Daniels Thermometer misst -17°C im Innenhof unsrer Behausung. Brrrrrr! Wir vier hatten diese Nacht psychedelische Träume. Ob’s an der Kälte oder den Coca-Blättern liegt? Keine Ahnung…

laguna-verde

Nach dem Frühstück geht es weiter, tiefer in den REA-Park hinein. Die Farben braun, weiß und blau dominieren die Landschaft – schneebedeckte Berge, Vicunas grasen, Lagunen tauchen am Horizont auf – weiß, blau, grün, türkis. Salz- und Boraxhaufen säumen die Ufer. Thermalquellen treiben Dampfschwaden in den Himmel. Wir vier sind zu faul zum Baden. Weiter geht es zu stinkenden, grau-dickflüssig blubbernden Schlamm-Geysiren. Verrückte Landschaft. Es gurgelt und gluckert und zischt aus buntgefärbten Erdspalten. In großen und kleinen Pfützen brodelt graue Masse. Der Wind pfeift schneidend kalt um unsre Köpfe.

vicunas teufelskueche spiegelbilder

Am späten Nachmittag kommen wir an der Laguna Colorada an. Das Wasser ist leuchtend rosa. Weiße Salzkrusten, grüne Grasbüschel und bläuliche Schattierungen runden die Farbkomposition ab. Bizarre Wolken treiben über den Himmel und spiegeln sich im Wasser, Flamingos grasen im kniehohen Wasser stehend.

laguna-colorada-p1 

Es plätschert leise, ab und an gackert einer der Vögel, der Wind rauscht in den Ohren. So friedlich. Von der Schönheit sind wir vier wie benommen und ganz feierlich gestimmt.

In unsrer Unterkunft ist diesmal ein Ofen. Wir trinken Wein, klönen mit den anderen Tour-Gruppen und haben einen sehr gemütlichen Abend. Das Erlöschen des Ofens gegen Mitternacht treibt uns ins Bett unter die fünf Schichten Bettdecken. Der dritte Tag bringt erstarrte Lavalandschaften, kleinere Salzebenen  und langes, langes Jeep-Fahren. Am späten Nachmittag kommen wir ENDLICH am Ufer des Salars de Uyuni an. Der Himmel hängt voller dicker Wolken. Hoffentlich klart es morgen auf.

stockundstein steinbaum salzhostal

Wir übernachten in einem aus Salzblöcken gebauten Hostal. Es regnet die ganze Nacht und auch noch am Morgen – so ein Kack! Um 6.00 Uhr fahren wir los auf den Salar bis hin zur Isla Incahuasi. Den Sonnenaufgang sehen wir nicht; Wolkenverhangener Himmel und Salar haben die selbe Farbe. Hauptattraktion der Insel: Ururalte Kakteen, bis zu 10 m hoch und damit ca. 1000 Jahre alt! Verrückt. Unser Highlight: Wir steigen aus dem Jeep und laufen unsrem Reisefreund Markus (Ushuaia) in die Arme. Was für ein Zufall! Wir freuen uns total über das deutsch-deutsche Wiedersehen. Gegen Mittag klart es zum Glück ein wenig auf und so können auch wir nette Illusionen fotografieren. Seht selbst:

monstermatt toystory minidaniel

Wüste, Weite, Westmannphantasien

Von San Pedro de Atacama nach Salta führt eine Pass-Straße durch den wunderschönen Altiplano, den sich Argentinien, Bolivien und Chile teilen. Um das Praktische (Vorwärtskommen) mit dem Schönen (Landschaft bewundern) zu verbinden, haben James, Matt und wir Tickets für den Bus um 9.30 Uhr morgens gekauft, so dass wir gegen 20.00 Uhr in Salta ankommen würden. Am nächsten morgen haben wir noch schnell köstliche Käse-Schinken-Tomaten-Baguettes geschmiert, Pains au Chocolat bei unsrem französischen Bäcker eingekauft und sind zum Bus gelaufen. Nach einer knappen Stunde Warten kam dieser dann auch und brachte uns zur chilenischen Grenze kurz hinter San Pedro. Dort konnten wir uns nach dem Check-out aus Chile auch wieder 1,5 h die Beine vertreten: Unser amerikanischer (ich nenne keine Namen ;-)) und zwei kanadische Mitreisende hatten nämlich die Belege für die bereits bezahlte Einreisegebühr nach Argentinien nicht parat bzw. mussten die Gebühr noch entrichten. Da es an der Grenze kein Internet gibt, sind Busfahrer und Betroffene sowie Daniel als Übersetzer kurzerhand zurückgelaufen und haben ein Internetcafé aufgesucht. Besonders beeindruckt hat uns die Seelenruhe des Busfahrers. Er scheint so was regelmäßig zu machen…

Dann ging es endlich richtig los vorbei an meinem Lieblingsvulkan Licancabur, Altiplano-Seen, grasenden Vicuñas und blau-braun-gelber Weite, Weite, Weite. Nach ca. 2 h erreichen wir die argentinische Grenze in über 4.000 m Höhe und stärken uns erst mal mit einem Milanesa-Sandwich. Busfahren macht ganz schön hungrig.

licancabur durchdiewueste laguna-altiplana altiplano snackenandergrenze milanesa

Wir fahren weiter durch wunderbare Landschaften, vorbei an Salzfeldern, einfachsten Lehmhäusern, Schafherden und bunt geschmückten Lamas in die Abenddämmerung. Verrückt, dass man in dieser kargen Einsamkeit leben kann. Den letzten, angeblich schönsten Teil der Landschaft verpassen wir leider. Es ist halt schon dunkel. Gegen 23.00 Uhr kommen wir endlich in Salta an und stärken uns mit Bier und Grillfleisch – lecker.

Um die Augenschmause Nordargentiniens zu erkunden, mieten wir uns zu viert ein Auto für zwei Tage. Der erste Trip soll uns über Cachí zum Weinort Cafayate bringen. Wir kommen morgens erst gegen 9.00 Uhr los und überschätzen die Straßenverhältnisse der Gegend… Es wird ein langer Tag. Wir fahren durch wildwest-romantische Kaktustäler, durch weiche Gebirgszüge und erreichen gegen 15.00 Uhr sehr hungrig das schöne Cachí; die anfangs so ordentlich geteerte Straße ist einer Schotterpiste gewichen. Wir stärken uns dort und fahren zügig weiter in Richtung Cafayate. Die Wegweiser sind spärlich gesät und prompt enden wir im nirgendwo. Die Schotterpiste wird zu einem Flussbett-artigen Weg. Ein freundlicher Bauer kann uns weiterhelfen, und wir finden zurück zur Ruta 40. Die wird praktischerweise grade teilweise ausgebessert. Nach ca. 30 min Warten in der Spätnachmittagssonne kann es auch schon weitergehen. Das weiche, staubige Land macht bizarren Felsformationen Platz. Verrückt! Und wir fahren mitten durch. Die untergehende Sonne taucht die Felsen in ein zauberhaftes Rot. Schade, dass es schon dunkel wird. Die Landschaft bis Cafayate können wir nur noch schemenhaft erkennen. Um 21.00 Uhr kommen wir endlich dort an, essen köstliches Grillfleisch (bis auf Daniel, der lässt sich auf ein Experiment namens Locro ein und freut sich über das Innenleben einer Kuh in Eintopfform…) und fahren in der Nacht heim. Um 1.30 Uhr sind wir endlich wieder in Salta. Wir sind uns einig: Die heutige Tour ist nichts für nur einen Tag! Das nächste Mal würden wir in Cachí und Cafayate übernachten und uns viel mehr Zeit beim Erkunden lassen.

flusstal-1 unserflitzer wegnachcachi kaktusinvasion schlechtestrasse wegnachcafayate-3

Am nächsten Morgen starten wir zu unsrer zweiten Tagestour: Wir fahren ein Stück der Ruta 51 parallel zur Strecke des Tren de las Nubes ab. Das ist eine Zugstrecke, die ebenfalls durch die bizarre Bergwelt Nordargentiniens bis hin zu chilenischen Grenze führt. Wir fahren bis nach Santa Rosa de Tastil durch Schotter gefüllte Täler, vorbei an dramatischen Felsformationen und Bergen. Kakteen würzen diese karge Landschaft. Karl May hätte es sich nicht besser ausdenken können. In Santa Rosa essen wir zu Mittag, machen noch einen Abstecher zu den Präinka-Ruinen von Tastil. Am späten Nachmittag sind wir wieder in Salta und genießen noch ein wenig diese gemütliche Stadt. Allein sie ist schon eine Reise wert. Hier wollen wir noch mal hin!

flusstal-2 zugundgrab tollestrasse wo-ist-matt praeinca-tastil gestreifteberge

Mit ganz großen Schritten …

… reisen wir in Richtung Ecuador. Und das ziemlich zügig. Gestern sind wir von Copacabana, Bolivien aufgebrochen und nachmittags in Puno, Peru angekommen. Heute geht es weiter nach Cusco.

Lago-Titicaka

Wir sind von Santiago aus auf der chilenischen Seite hochgereist, haben nach der Atacamawüste wieder nach Argentinien gewechselt und sind von dort aus über die Anden nach Tupiza, Bolivien gefahren. Von dort ging es durch atemberaubende Landschaften nach Uyuni; es folgte ein Besuch in den Silberminen Potosís, eine Magenverrenkung in Sucre und ein Ausflug in den Bolivianischen Dschungel. Was wir genau erlebt haben, berichten wir in Kürze ausführlich.

Valparaíso

Nach dem menschenleeren Patagonien haben wir uns auf den Weg gemacht die bevölkerungsreichsten Städte Chiles zu besuchen. Angefangen haben wir mit der Hafenstadt Valparaíso. 32 Hügel umgeben die Stadt. An deren Steilhängen und ins Tal in Richtung Küste quetschen sich unzählige Häuser und Treppen. Als wir aus dem Bus aussteigen und zusammen mit Maik, Matt und James zum Hostel fahren, ist es endlich mal wärmer und es fühlt sich ein bisschen wie eine schmuddelige, südeuropäische Hafenstadt an. Neben der Population hat hier die Hundekackedichte ebenfalls deutlich zugenommen. Aus den Gulllis muffelt es intensiv nach Zivilisation. Viele Häuser sind etwas verwohnt, aber trotzdem schön anzusehen und bunt verziert mit tollen Graffitis.

 graffiti-2 nette-gasse graffiti-3

Maik und wir kommen in einem Deluxe-Hostal in einem liebevoll renovierten Jugendstilhaus unter und freuen uns über ein feines Frühstück in netter Gesellschaft. Mittags treffen wir uns mit den anderen beiden zu einer Hafenrundfahrt und erkunden anschließend zu Fuß die Stadt. Auf jedem Hügel gibt es nette Plätzchen zum Hinsetzen, Leute spielen Gitarre, trinken Bier oder quatschen einfach nur gemütlich in der Sonne. Sympathische Stadt.

chilenische-trinkhalle klampfe vom-huegel-aus seehundmitstadt militaerparade unser-zimmerblick

Es folgt ein Gammeltag im Nebel mit einer lustigen Kneipentour – gegen 3.00 Uhr fallen wir ins Bett. Feiern kann man hier also auch. Tags drauf befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand: Chile hatte 1879 eine Seeschlacht gegen Peru gewonnen und dies wird jeden 21. Mai gefeiert. So auch in Valparaíso. Staatsbesuch, Militärparade, Studentenkravalle. Wir halten uns dem Getümmel fern und laben uns an unsrem neuen Lieblingsfastfood, dem Completo: Hotdog mit Tomaten, Zwiebeln, Avocadocreme, Mayo, Ketchup, Chilisoße und was die Tuben am Stand sonst noch so zu bieten haben. Am nächsten Mittag geht es auch schon weiter in die Hauptstadt.

Feuer, Eis und ganz viel Bier

Im schönen Pucón beziehen wir dank Nebensaison ein kleines Hüttchen mit Schwedenofen, den die beiden etwas ver- (oder besser ent-)rückt wirkenden Hostal-Damen täglich mit riesigen Holzklötzen befeuern. Kuschelig warm haben wir es also in unsrer Bleibe und draußen ist’s neblig und furchtbar kalt. Im Bus haben wir unsre ‘FitzRoy-Reisegruppe’ bestehend aus Maik, Matt, James und den beiden Israelis (Dafna und Begleiter) wiedergetroffen, Murielle ist schon in Pucón – wir sind wieder komplett. In den nächsten Tagen soll das Wetter besser werden und der dorfeigene Vulkan Villarica besteigbar sein. Einige Reisende warten schon seit Tagen auf diesen Moment, wie wir erfahren. Bis dahin vertreiben Daniel und ich uns die Zeit mit einem Besuch am Lago Caburgua und seinen zwei Ojos.

vulkan-villarica

Das Wetter lässt sich an unserem ersten Tag schon ganz gut sehen, wir wandern mehrere Stunden am Strand entlang, bewundern Wald und Umgebung und gewinnen gleich zu Beginn zwei neue Freunde, die uns die ganze Zeit begleiten. Beschützen tun sie uns allerdings nicht: begegnen wir großen Schäferhunden, verstecken sie sich hinter uns – na bravo 🙂

laguna-caburgua hundefreunde-1 hexenhaeuschen schafe hundefreunde-2 ojos-caburgua

Am Ortsausgang verlassen uns unsre Hunde. Wir kaufen bei einem alten Opa den bisher köstlichsten und günstigsten Käse und laufen zu den ca. 6 km entfernt liegenden Ojos de Caburgua; das sind kleine Wasserfälle mit azurblauen Wasserbecken. Es dauert nicht lange und wir werden von einem neuen Hundepaar auserwählt. Es läuft den ganzen Weg mit uns mit, wartet auf uns und als wir gegen Abend in den Bus nach Pucón steigen, rennen sie sogar dem Bus hinterher – nette Kerlchen. Abends treffen wir uns mit den anderen in ihrem Hostal zur Vulkaneinweisung – morgen ist es also soweit. Wenn das Wetter mitspielt, erreichen wir sogar den Gipfel, was laut Guide nur 60% der Leute gelingt… mal sehen.

Ausgestattet mit Helm, Eispickel, Steigeisen und Bergstiefeln fahren wir gegen 8.00 Uhr an den Fuß des Gipfels. Das erste Stück kraxeln wir flott bis zum Schilift. Dort wird es dann ernst, Steigeisen werden angeschnallt und Eispickel geschultert. 30 Minuten Stapfen, 10 Minuten Pause. Die Eiskruste knirscht unter den Füßen und im Rücken leuchtet das Tal in der Morgensonne. So schaffen wir uns langsam den Gipfel hoch. Kurz vor dem steilsten Stück brechen einige entkräftet ab. Wir laufen weiter. Schritt, Schritt, Eispickel in die Wand und wieder von vorne. Nach viereinhalb Stunden haben wir es geschafft und stehen am rauchenden, widerlich stinkenden Krater. Geniale Aussicht in alle Himmelsrichtungen: Nachbarvulkane, Seenland im Tal, stahlblauer Himmel. Der Wind frischt etwas auf und nach einer halben Stunde rufen die Guides zum Aufbruch.

vulkan-villarica-groß villarica-am-fuss aufstieg  amkraterstinkts stubenfliegen abstieg

Runter ist’s fast noch anstrengender als nach oben. Dank Steigeisen und Eispickel, die sich in die Eiskruste graben, fällt keiner vom Berg und nach weiteren zweieinhalb Stunden sind wir wieder an der Bodenstation. Abends belohnen wir uns mit mehreren Runden Bier und einem riesigen Haufen von Pommes überbacken mit Chilisoße. Mmmmmmh – das haben wir uns auch verdient.