Wüste, Weite, Westmannphantasien

Von San Pedro de Atacama nach Salta führt eine Pass-Straße durch den wunderschönen Altiplano, den sich Argentinien, Bolivien und Chile teilen. Um das Praktische (Vorwärtskommen) mit dem Schönen (Landschaft bewundern) zu verbinden, haben James, Matt und wir Tickets für den Bus um 9.30 Uhr morgens gekauft, so dass wir gegen 20.00 Uhr in Salta ankommen würden. Am nächsten morgen haben wir noch schnell köstliche Käse-Schinken-Tomaten-Baguettes geschmiert, Pains au Chocolat bei unsrem französischen Bäcker eingekauft und sind zum Bus gelaufen. Nach einer knappen Stunde Warten kam dieser dann auch und brachte uns zur chilenischen Grenze kurz hinter San Pedro. Dort konnten wir uns nach dem Check-out aus Chile auch wieder 1,5 h die Beine vertreten: Unser amerikanischer (ich nenne keine Namen ;-)) und zwei kanadische Mitreisende hatten nämlich die Belege für die bereits bezahlte Einreisegebühr nach Argentinien nicht parat bzw. mussten die Gebühr noch entrichten. Da es an der Grenze kein Internet gibt, sind Busfahrer und Betroffene sowie Daniel als Übersetzer kurzerhand zurückgelaufen und haben ein Internetcafé aufgesucht. Besonders beeindruckt hat uns die Seelenruhe des Busfahrers. Er scheint so was regelmäßig zu machen…

Dann ging es endlich richtig los vorbei an meinem Lieblingsvulkan Licancabur, Altiplano-Seen, grasenden Vicuñas und blau-braun-gelber Weite, Weite, Weite. Nach ca. 2 h erreichen wir die argentinische Grenze in über 4.000 m Höhe und stärken uns erst mal mit einem Milanesa-Sandwich. Busfahren macht ganz schön hungrig.

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Wir fahren weiter durch wunderbare Landschaften, vorbei an Salzfeldern, einfachsten Lehmhäusern, Schafherden und bunt geschmückten Lamas in die Abenddämmerung. Verrückt, dass man in dieser kargen Einsamkeit leben kann. Den letzten, angeblich schönsten Teil der Landschaft verpassen wir leider. Es ist halt schon dunkel. Gegen 23.00 Uhr kommen wir endlich in Salta an und stärken uns mit Bier und Grillfleisch – lecker.

Um die Augenschmause Nordargentiniens zu erkunden, mieten wir uns zu viert ein Auto für zwei Tage. Der erste Trip soll uns über Cachí zum Weinort Cafayate bringen. Wir kommen morgens erst gegen 9.00 Uhr los und überschätzen die Straßenverhältnisse der Gegend… Es wird ein langer Tag. Wir fahren durch wildwest-romantische Kaktustäler, durch weiche Gebirgszüge und erreichen gegen 15.00 Uhr sehr hungrig das schöne Cachí; die anfangs so ordentlich geteerte Straße ist einer Schotterpiste gewichen. Wir stärken uns dort und fahren zügig weiter in Richtung Cafayate. Die Wegweiser sind spärlich gesät und prompt enden wir im nirgendwo. Die Schotterpiste wird zu einem Flussbett-artigen Weg. Ein freundlicher Bauer kann uns weiterhelfen, und wir finden zurück zur Ruta 40. Die wird praktischerweise grade teilweise ausgebessert. Nach ca. 30 min Warten in der Spätnachmittagssonne kann es auch schon weitergehen. Das weiche, staubige Land macht bizarren Felsformationen Platz. Verrückt! Und wir fahren mitten durch. Die untergehende Sonne taucht die Felsen in ein zauberhaftes Rot. Schade, dass es schon dunkel wird. Die Landschaft bis Cafayate können wir nur noch schemenhaft erkennen. Um 21.00 Uhr kommen wir endlich dort an, essen köstliches Grillfleisch (bis auf Daniel, der lässt sich auf ein Experiment namens Locro ein und freut sich über das Innenleben einer Kuh in Eintopfform…) und fahren in der Nacht heim. Um 1.30 Uhr sind wir endlich wieder in Salta. Wir sind uns einig: Die heutige Tour ist nichts für nur einen Tag! Das nächste Mal würden wir in Cachí und Cafayate übernachten und uns viel mehr Zeit beim Erkunden lassen.

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Am nächsten Morgen starten wir zu unsrer zweiten Tagestour: Wir fahren ein Stück der Ruta 51 parallel zur Strecke des Tren de las Nubes ab. Das ist eine Zugstrecke, die ebenfalls durch die bizarre Bergwelt Nordargentiniens bis hin zu chilenischen Grenze führt. Wir fahren bis nach Santa Rosa de Tastil durch Schotter gefüllte Täler, vorbei an dramatischen Felsformationen und Bergen. Kakteen würzen diese karge Landschaft. Karl May hätte es sich nicht besser ausdenken können. In Santa Rosa essen wir zu Mittag, machen noch einen Abstecher zu den Präinka-Ruinen von Tastil. Am späten Nachmittag sind wir wieder in Salta und genießen noch ein wenig diese gemütliche Stadt. Allein sie ist schon eine Reise wert. Hier wollen wir noch mal hin!

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San Carlos de Bariloche

Unser zweiter Inlandsflug (übrigens genauso teuer wie das Busticket, nur ca. 20h kürzer…) brachte uns von El Calafate nach San Carlos de Bariloche, mitten im argentinischen Seenland und heimliches Kanton der Schweiz. Die Häuschen sehen aus wie ein Direktexport aus dem Schweizer Bergland und an jeder Ecke kann man sich mit Käsefondue beglücken. Das regengraue und ziemlich unstete Wetter war eher weniger einladend, und so beobachteten wir die überwiegend den riesigen See Nahuel Huapi und die sich ändernden Wolkenformationen am Himmel von Panoramafenster unsres Hostels aus.

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Nach einer Rundfahrt durch das Seenland mit Murielle, Markus und Matthias und einer feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier (erst Schlemmen, dann Stämmen…) ging es auch schon weiter nach Chile.

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Das ist doch der Gipfel

El Chaltén, ein kleines Touri-Dorf inmitten des Nationalparks Los Glaciares, ist unser nächstes Ziel. El Chaltén heißt übrigens rauchender Berg und ist der indianische Name für den Protagonisten des Parks: der gute alte Fitz Roy. Zusammen mit Murielle und Maik, den wir schon im Torres del Paine – Park kennengelernt und in El Calafate wiedergetroffen haben, geht’s mit dem ersten Bus in die Berge, um unseren Wanderhunger zu stillen. Das Wetter ist genial und lädt uns ein den Park zu erkunden, was wir beide mit Maik auch direkt tun. Nach 3 1/2 Stunden Stapfen über Berg und Tal kommen wir an der Laguna Torre an und werden mit Eisschollen im See, Spätmittagssonne und viel Wind begrüßt. Auf dem Rückweg kaufen wir gefühlt eine halbe Kuh, um unseren riesigen Hunger zu stillen.

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Essen und Bier bringen uns eine wohlige Müdigkeit, die einen komatösen Zustand zur Folge hat, der uns erst um 10.00 Uhr aufwachen lässt – so lange haben wir selten geschlafen. Es stürmt und gießt wie aus Eimern, wir genießen einen sehr gemütlichen Tag im Hostal und können so Kräfte für unsere nächste Unternehmung sammeln: eine Wanderung zur Laguna de los Tres am Fuß des Fitz Roys.

Das Wetter sieht am nächsten Morgen immer noch nicht prickelnd aus, aber unsere Gastwirtin “schwört”, dass ein schöner Tag auf uns wartet. Und so machen wir uns gegen 8.00 Uhr auf den Weg zu unserem Startpunkt an der Hostería El Pilar im Norden El Chalténs. Tatsächlich hört der Nieselregen bald auf und macht einem strahlend blauen Himmel Platz. Mann, haben wir wieder einmal Glück.

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Der Weg zur Lagune ist ziemlich anstrengend und steil, führt uns durch Bachläufe und über vereistes Gestein. Kurz vor der Kuppe erwartet uns auch noch ein ordentlicher Wind, der uns Schnee ins Gesicht und mich fast umweht.

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Zum Glück liegen hier auch ein paar Felsbrocken herum, an die ich mich klammern kann. Dank Daniel überwinde ich meine Angst vom Berg geweht zu werden und als wir den Bergkamm vor der Lagune erreichen, raubt uns ein unglaublicher Anblick den Atem: Türkisfarbenes, vom Wind gepeitschtes Wasser vor dem Fitz Roy – Massiv, welches die Wolken – just als wir ankommen – freigeben.

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Dreht man sich um, schaut man in das endlose Tal und auf andere Schnee bedeckte Bergketten herab. Der in den Ohren jaulende Wind perfektioniert die Stimmung. Phänomenal. Ich hab mich noch nie so abenteuerlich gefühlt. Wir verlassen unseren windgeschützten Ort hinter dem Felsen und stapfen durch Knie hohen Schnee zum Lagunenufer. Der Wind treibt Schneewehen vor sich her, hinunter ins Wasser. Einfach genial.

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Wir sind alle ganz aus dem Häuschen von diesem Naturwunder und freuen uns den ganzen Weg nach Hause, dass wir so etwas schönes sehen durften. Abends kochen wir lecker, trinken zusammen mit den anderen Wein und tauschen Reisegeschichten aus. Morgen geht’s nach Bariloche.

Ein Tag am Gletscher

Von Puerto Natales in Chile sollte es dann weiter gehen nach El Calafate in Argentinien. Die Bustickets hatten wir im Hostel gekauft, Abfahrt 8.30 Uhr, so die Auskunft des netten Chilenen, der die Tickets telefonisch reserviert hatte. Am frühen Morgen haben wir dann noch die übrigen Eier gebraten, haben ein schnelles Frühstück eingenommen und sind, zusammen Murielle, mit dem Taxi zum Busbahnhof gedüst. Bei der Einfahrt auf’s Gelände des Busbahnhofs hatten uns schon Zweifel ereilt: Warum ist hier sonst niemand? Und warum ist hier kein Bus? Die Lösung war einfach, aber leider nicht jedem Chilenen bekannt: Chile hatte einige Tage zuvor die Uhr auf Winterzeit umgestellt (eine Stunde zurück). Argentinien verzichtet auf diesen Spaß. Das argentinische Busunternehmen fährt natürlich nach wie vor nach argentinischer Uhrzeit und holt seine Gäste in Chile ein Stunde früher ab, als zuvor…

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Die zusätzliche Nacht im Hostel war dann kostenlos, die Tickets wurden erneut gebucht (kostenlos) und im zweiten Anlauf ging es dann nach El Calafate. Der Hauptgrund für eine Reise dort hin ist der nahegelegen Gletscher Perito Moreno. Zahlreiche Agenturen in dem kleinen Städtchen verkaufen Fahrten zum Gletscher, Wanderungen auf dem Gletscher und andere lustige Sachen, die man mit riesigen Gletschern so machen kann. Wir haben uns lediglich eine Busfahrt zum Gletscher und zurück gekauft. Hier hat man wieder einmal die Vorteile des Reisens außerhalb der Hauptsaison gespürt. Bustickets können kurzfristig am Abend vorher oder direkt vor Abfahrt am Busbahnhof gekauft werden. Letztendlich saßen wir dann zu acht im Bus. Darunter eine Mittvierzigerin, welche sich zu einem späteren Zeitpunkt als Verrückte entpuppen sollte. Die 1,5-stündige Busfahrt führt bereits durch atemberaubende Landschaften (siehe oben). Kurz vor der Ankunft am Gletscher legt der Busfahrer einen Stopp am Bootsanleger ein und man hat die Möglichkeit Tickets für eine spätere Bootsfahrt zum Gletscher zu kaufen. Hier glänzte die Mittvierzigerin durch dümmliches Nachfragen, was das ganze den jetzt soll. Letztendlich hat sie das Ticket gekauft. Am Gletscher hat der Busfahrer ihr zum vierten mal den Tagesablauf erklärt: 1. Gletscher erkunden, 2. Zum Boot fahren (optional), 3. Wieder zum Gletscher zurückkehren und 4. Rückfahrt um 4 Uhr mittags. Die Verrückte hat dann völlig verwundert geschaut und ernsthaft gefragt, was man denn bitte den ganzen Tag an einem Gletscher machen solle. Der Busfahrer ist erstaunlich ruhig geblieben und hat ihr erklärt, dass man immer das bekomme was man kauft. Und sie habe nun mal ein Busticket zum Gletscher und zurück gekauft. Die Alte ist nach der Bootsfahrt verschwunden und nie mehr aufgetaucht…

panorama

Nun aber zum Gletscher selbst: Der Perito Moreno ist nach dem gleichnamigen argentinischen Geographen benannt. Er zählt zu den wenigen Gletschern auf der Welt, deren Größe nicht abnimmt. Die Besonderheit dieses Gletschers ist, dass er sich auf die Stelle zubewegt, von der aus ich das Bild gemacht habe und dabei einen Teil des Sees abtrennt. Im linken Teil (siehe Panoramaaufnahme) staut sich das Wasser dann an, bis es zum spektakulären Durchbruch kommt (YouTube). Dieser Vorgang wiederholt sich im Vier-Jahres-Zyklus.

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Zur Erkundung des Gletschers wurde ein System von Terrassen und Wanderwegen am gegenüberliegenden Landabschnitt angelegt. Von hier aus haben wir den Gletscher beim ‘Arbeiten’ beobachtet. Durch die Eigenbewegung des Gletschers (ca. 2 Meter am Tag an der schnellsten Stelle) und durch den Einfluss des Sonnenlichts kommt es ständig zu Rissen in der Eismasse was sich in gewitterartigen Knallgeräuschen äußert. Außerdem brechen immerzu zu riesige Eisblöcke an der Vorderkante ab und stürzen ins Wasser. Die Abbruchkannte ist an manchen Stellen über 70 Meter hoch und reicht bis zu 110 Meter unter die Wasseroberfläche. Die tatsächliche Größe wird einem erst bewusst, wenn man vom Boot aus Personen auf der Gletscheroberfläche wandern sieht (schwarze Pünktchen, letztes Bild). Die 13 Euro für das Bootsticket haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Mit dem Bus unterwegs.

Ich liebe Patagonien. Nirgendwo sonst sieht man so deutlich, wie schön und reich unsere Welt ist. Besonderen Spaß macht mir das Busfahren. Stundenlang führt der Weg durch die Steppe. Endlos lange Zäune. Der Horizont liegt so weit entfernt, dass man das Gefühl hat die Wölbung der Erdoberfläche sehen zu können. Langweilig wird der Anblick eigentlich nie. Mal stehen Schafe oder Kühe am Wegesrand, dann gesellt sich eine Gruppe Guanacos sowie der ein oder andere Laufvogel Nandu dazu. Auch die Vegetation ändert sich ständig. Mal Büsche, mal Gras, dann wieder Schotter. Und erst die Wolken. Nach ein paar weiteren Stunden Fahrt erscheinen plötzlich Schnee bedeckte Berge am Horizont. Die Abendsonne malt die verrücktesten Farben an diesen endlos weiten Himmel. Und auch die Nacht mit ihren windzerzausten Wolken und dem strahlend hellen Mond lässt mich einfach nur staunen.

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Al culo del mundo

Nach einer Woche Buenos Aires sind wir nach Ushuaia weitergezogen, an den südlichen “Arsch der Welt”. Und wir können euch sagen, der lässt sich durchaus sehen! Der Herbst hat hier alle möglichen Farben an die Hänge gezaubert, die Sonne scheint, es ist stürmisch und zu jeder Seite hat man einen anderen Blick: Beagle-Kanal, Berge, Gletscher, Küste, Stadt. Very nice.

Wir haben uns hier ausführlich den Naturschönheiten gewidmet: Zunächst sind wir mit einem Boot auf den Beagle-Kanal gefahren und haben uns die widerlich stinkenden Kolonien der hiesigen Seelöwen und Kormorane angesehen. Praktischerweise leben auf diesen Felsen auch noch irgendwelche weißen Vögel, die die halbverdauten Fleischstücke aus der Seelöwenkacke naschen – mmmmhhhh lecker.

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Die zweite Etappe unsrer Bootstour war eine kleine, fotogene Insel mit Leuchtturm (el faro al fin del mundo) und auf dem Rückweg nach Ushuaia haben uns schließlich zwei Glattwale beglückt: nur ca. 5 m vom Boot entfernt haben sie sich aus dem Wasser geworfen und uns ihre Bäuche gezeigt! Wir haben noch nie so nah so große Tiere gesehen und konnten vor lauter Aufregung auch gar keine ordentlichen Fotos machen… Die beiden sind noch eine Weile neben unserem Boot hergeschwommen und haben uns neugierig in die Augen geschaut. Man hatte den Eindruck sie beobachten uns genauso wie wir sie. Unterwegs sind uns außerdem noch ein paar verirrte Magellan-Pinguine begegnet. Das war alles sehr beeindruckend.

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Das zweite Highlight für uns war der Naturpark Tierra del Fuego. Hier sind wir einen Tag lang wandern gegangen und haben bei bestem Wetter die wildromantische Natur Feuerlands genossen. Im Sommer kann man hier auch gut zelten und grillen. Das müssen wir uns fürs nächste Mal merken. Insgesamt möchte man die Naturschönheiten hier im Süden Patagoniens intensiver genießen. An jeder Ecke wartet ein erhabener Anblick und lädt zum Anhalten ein.

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Besonders schön fanden wir auch unseren Ausflug zur Laguna Esmeralda. Auf dem Weg dorthin kann man das Werk der Biber bewundern, die auf mehreren Etagen den Fluss angestaut und so das halbe Tal überflutet haben. In der Wiese kann man sogar die Schleifspuren der von ihnen “geernteten” und zum Damm geschleppten Baumstämme sehen. Die Folge ist allerdings auch, dass einige Teile des Waldes einfach abgestorben sind, was sehr skurril ausschaut. Bei unsrem Mittagsmahl (Hackbällchen mit Senf, Brot und heißer Tee) bekommen wir Besuch von einem neugierigen Fuchs, der um unsre Brösel schleicht.

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Eine Woche haben wir es hier ausgehalten und könnten auch noch länger verweilen, um zu Fuß die wohl schönste Landschaft, die wir bisher entdecken durften, zu erkunden.

Fast wie daheim…

Unser Aufenthalt in Mittelamerika hat sich dann doch etwas länger gestaltete als geplant: Viereinhalb anstelle von zwei Monaten sind wir durch Mexiko, Belize, Guatemala, Nicaragua, Costa Rica und Panama gereist. Nach weiteren vier Wochen in Kolumbien war klar, dass wir, über den Landweg reisend, im tiefsten Winter in Feuerland ankommen würden und die Nationalparks dort nur noch im Motorschlitten zu bereisen wären. Also haben wir kurzerhand in einen Flug von Bogotá nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, gebucht. Den Zwischenstopp in Buenos Aires haben wir auf einen sechstägigen Aufenthalt ausgeweitet. Nach der Reis-Bohnen-und-Platanen-Diät Mittelamerikas und der zwar reichhaltigen aber nicht immer genialen Küche Kolumbiens sowie der steten Konfrontation mit kulturellen Besonderheiten erscheint einem Buenos Aires wie eine Oase des Westens. Die europäischen Einwanderer haben gute Arbeit geleistet: Salami, Käse, Kalbsleberwurst und bestes argentinisches Rindfleisch lassen das Herz höher schlagen und weitere Pfunde auf die Hüfte zurückkehren. Es gibt nette Straßencafés, in denen man die Zeit verbummeln kann und mit etwas Glück halten Autos sogar am Zebrastreifen an. Allerdings entspricht auch das Preisniveau viel stärker dem der Heimat, so dass das die Reisekasse hier ordentlich geschröpft wird.

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Buenos Aires hat zwei Flughäfen: Nach der Ankunft am internationalen Flughafen (EZE) wird der Weg in die Stadt mit dem Bus zurückgelegt. Um 23:00 Uhr kommen wir erschöpft am Hostel an und machen uns am nächsten Morgen daran, das nahegelegene Stadtviertel San Telmo zu erkunden. San Telmo ist unserer Meinung nach eines der schönsten Stadtteile: Kaffees, Kneipen, eine Art Dauerflohmarkt auf dem es Raritäten aus vergangen Tagen gibt (u.a. Spielzeug der 60er bis 90er Jahre in Originalverpackung) und vieles mehr begeistern uns. Nach einem Tag in diesem Viertel möchte man gerne wieder dort hin oder sich gleich ‘ne Wohnung dort mieten.

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Durchquert man das Viertel von unserem Hostel aus, gelangt man zur Plaza de Mayo, dem Zentrum der Stadt. Hier befinden sich viele der wichtigsten Gebilde und Gebäude der Metropole, wie bspw. die Pyramide de Mayo, die an die Unabhängigkeit Argentiniens von Spanien erinnert und der Präsidentenpalast, das sogenannte Rosa Haus. Von dem Platz aus ist es nicht mehr allzu weit bis zum neuesten Stadtteil: Puerto Madero – der ehemalige Hafen, der in den letzten 20 Jahren in ein schickes Viertel mit Wohn- und Büroräumen umgewandelt wurde.

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Ein weiterer Tourimagnet ist der Stadtteil La Boca. Ein Arbeiterviertel, dessen Straßen zum größten Teil mit Vorsicht zu genießen sind. Für Besucher interessant sind die Straßenzüge mit den kunterbunten Häusern. Hier wurde improvisiert: Das Metall ausrangierter Schiffe wurde zum Bau verwendet und die Außenwände wurden mit Schiffslack angepinselt.

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Auf keinen Fall sollte man sich den Friedhof im Stadtteil Recoleta entgehen lassen. Die Gräber und Gruften sind sehr beeindruckend und viele argentinische Berühmtheiten sind dort begraben, so z.B. auch Evita Perón. Schön zum Ausgehen ist das Viertel Palermo, vor allem der Teil Palermo Soho wartet mit vielen trendigen Bars und Kneipen auf und erinnert uns an Berliner Stadtteile wie Friedrichshain oder Prenzlauer Berg.

Fazit: Eine echt tolle Stadt, in die man unbedingt zurückkehren möchte und die alleine schon eine Argentinienreise wert wäre.