Wüste, Weite, Westmannphantasien

Von San Pedro de Atacama nach Salta führt eine Pass-Straße durch den wunderschönen Altiplano, den sich Argentinien, Bolivien und Chile teilen. Um das Praktische (Vorwärtskommen) mit dem Schönen (Landschaft bewundern) zu verbinden, haben James, Matt und wir Tickets für den Bus um 9.30 Uhr morgens gekauft, so dass wir gegen 20.00 Uhr in Salta ankommen würden. Am nächsten morgen haben wir noch schnell köstliche Käse-Schinken-Tomaten-Baguettes geschmiert, Pains au Chocolat bei unsrem französischen Bäcker eingekauft und sind zum Bus gelaufen. Nach einer knappen Stunde Warten kam dieser dann auch und brachte uns zur chilenischen Grenze kurz hinter San Pedro. Dort konnten wir uns nach dem Check-out aus Chile auch wieder 1,5 h die Beine vertreten: Unser amerikanischer (ich nenne keine Namen ;-)) und zwei kanadische Mitreisende hatten nämlich die Belege für die bereits bezahlte Einreisegebühr nach Argentinien nicht parat bzw. mussten die Gebühr noch entrichten. Da es an der Grenze kein Internet gibt, sind Busfahrer und Betroffene sowie Daniel als Übersetzer kurzerhand zurückgelaufen und haben ein Internetcafé aufgesucht. Besonders beeindruckt hat uns die Seelenruhe des Busfahrers. Er scheint so was regelmäßig zu machen…

Dann ging es endlich richtig los vorbei an meinem Lieblingsvulkan Licancabur, Altiplano-Seen, grasenden Vicuñas und blau-braun-gelber Weite, Weite, Weite. Nach ca. 2 h erreichen wir die argentinische Grenze in über 4.000 m Höhe und stärken uns erst mal mit einem Milanesa-Sandwich. Busfahren macht ganz schön hungrig.

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Wir fahren weiter durch wunderbare Landschaften, vorbei an Salzfeldern, einfachsten Lehmhäusern, Schafherden und bunt geschmückten Lamas in die Abenddämmerung. Verrückt, dass man in dieser kargen Einsamkeit leben kann. Den letzten, angeblich schönsten Teil der Landschaft verpassen wir leider. Es ist halt schon dunkel. Gegen 23.00 Uhr kommen wir endlich in Salta an und stärken uns mit Bier und Grillfleisch – lecker.

Um die Augenschmause Nordargentiniens zu erkunden, mieten wir uns zu viert ein Auto für zwei Tage. Der erste Trip soll uns über Cachí zum Weinort Cafayate bringen. Wir kommen morgens erst gegen 9.00 Uhr los und überschätzen die Straßenverhältnisse der Gegend… Es wird ein langer Tag. Wir fahren durch wildwest-romantische Kaktustäler, durch weiche Gebirgszüge und erreichen gegen 15.00 Uhr sehr hungrig das schöne Cachí; die anfangs so ordentlich geteerte Straße ist einer Schotterpiste gewichen. Wir stärken uns dort und fahren zügig weiter in Richtung Cafayate. Die Wegweiser sind spärlich gesät und prompt enden wir im nirgendwo. Die Schotterpiste wird zu einem Flussbett-artigen Weg. Ein freundlicher Bauer kann uns weiterhelfen, und wir finden zurück zur Ruta 40. Die wird praktischerweise grade teilweise ausgebessert. Nach ca. 30 min Warten in der Spätnachmittagssonne kann es auch schon weitergehen. Das weiche, staubige Land macht bizarren Felsformationen Platz. Verrückt! Und wir fahren mitten durch. Die untergehende Sonne taucht die Felsen in ein zauberhaftes Rot. Schade, dass es schon dunkel wird. Die Landschaft bis Cafayate können wir nur noch schemenhaft erkennen. Um 21.00 Uhr kommen wir endlich dort an, essen köstliches Grillfleisch (bis auf Daniel, der lässt sich auf ein Experiment namens Locro ein und freut sich über das Innenleben einer Kuh in Eintopfform…) und fahren in der Nacht heim. Um 1.30 Uhr sind wir endlich wieder in Salta. Wir sind uns einig: Die heutige Tour ist nichts für nur einen Tag! Das nächste Mal würden wir in Cachí und Cafayate übernachten und uns viel mehr Zeit beim Erkunden lassen.

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Am nächsten Morgen starten wir zu unsrer zweiten Tagestour: Wir fahren ein Stück der Ruta 51 parallel zur Strecke des Tren de las Nubes ab. Das ist eine Zugstrecke, die ebenfalls durch die bizarre Bergwelt Nordargentiniens bis hin zu chilenischen Grenze führt. Wir fahren bis nach Santa Rosa de Tastil durch Schotter gefüllte Täler, vorbei an dramatischen Felsformationen und Bergen. Kakteen würzen diese karge Landschaft. Karl May hätte es sich nicht besser ausdenken können. In Santa Rosa essen wir zu Mittag, machen noch einen Abstecher zu den Präinka-Ruinen von Tastil. Am späten Nachmittag sind wir wieder in Salta und genießen noch ein wenig diese gemütliche Stadt. Allein sie ist schon eine Reise wert. Hier wollen wir noch mal hin!

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Rohstoffreiches Chile

Um 6:30 Uhr werden wir abgeholt. Die lange Fahrt in Richtung Salzwüste führt uns durch schöne, karge Landschaften. Unterwegs stoppen wir, um einen Abschnitt des berühmten Inkatrails zu besichtigen: Über diese Pfade sind die Inka aus den verschiedenen Teilen ihres Reiches ins religiöse Zentrum Cusco gepilgert. Kurz später gibt es Frühstück in einem kleinen Dörfchen. Danach geht es weiter in Richtung der beiden Lagunen Miscanti und Miñique. Letztere kann derzeit leider nicht besichtigt werden, da der Weg dorthin zugeschneit und vereist ist. Als Beweis dient ein steckengebliebener Jeep. Der Marsch vom Parkplatz zur Lagune erweist sich als sehr anstrengend: Die Luft auf 4000 Metern Höhe ist ungewöhnlich dünn. Die Lagune ist umringt von fünf Vulkanen. Der für die Jahreszeit ungewöhnlich Schnee und die am Uferrand grasenden Vicuñas runden das Bild ab.

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Anschließend fahren wir weiter zum Salar de Atacama: Der größte Salzsee Chiles, der eine Tiefe von bis zu 1,7 km erreicht. Über- und unterirdische Zuflüsse tragen das Salz ein, durch die hohe Verdunstungsrate bildet sich eine Kruste. An wenigen Stellen sammelt sich Wasser an der Oberfläche. Auf diese Art ist auch die Lagune Chaxa entstanden, die in der Mitte des Salars liegt und die wir besuchen. Dort tut sich eine bizarre Welt auf: Die Salzkruste ist weiß-gräulich und sehr grob, das Wasser der Lagune reflektiert aufgrund des hohen Salzgehaltes sehr gut, so dass sich die gesamte Umgebung einschließlich der rosa Flamingos darin spiegelt. Kleine Krebse färben das Wasser stellenweise rosarot. Gebunden in der Salzkruste sind unter anderem Lithium, Kalium, Magnesium und Bor. Etwa ein Drittel der weltweit geförderten Menge an Lithium kommen aus dem Salar. Durch kleine Dörfchen geht es am Mittag zurück nach San Pedro.

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Für den kommenden Tag haben wir uns die Kupferminen bei Calama vorgenommen. Dabei handelt es sich um eine der größten offenen Kupferminen der Welt. Bob der Baumeister hätte seine Freude an diesem gigantischen Bauvorhaben. Vier Kilometer lang ist das große Loch in der Erde, über einen Kilometer reicht es in die Tiefe. Das verrückte daran: Lediglich am tiefsten Punkt ist kupferhaltiges Gestein zu finden, die Flanken des überdimensionalen Trichters sind wertlos. Und selbst darin ist nur ein Prozent Kupfer enthalten.

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Rund um die Uhr tragen riesige Bagger das Erdreich ab und unglaublich große Lastwagen transportieren den Abraum aus der Mine und schütten im Umland unbeschreiblich große Berge auf. Die Größe der Fahrzeuge lässt sich erst im Vergleich mit herkömmlichen Autos erahnen. Einige Tage zuvor hatten wir bereits die übergroßen Reifen der Kipplaster auf einem Sattelschlepper bewundert. Kostenpunkt: 40.000 USD pro Reifen, Reifenwechsel alle 8 Monate. Einen weiteren Superlativ stellt der Wasserverbrauch des aufwändigen Kupfergewinnungsprozesses dar: 12.000 Liter Wasser pro Sekunde werden benötigt, 9.000 können wiederverwendet werde. Es fallen also 3.000 Liter kontaminiertes Abwasser pro Sekunde an. Wohin das verschwindet sagt man uns nicht. Der größte Teil des Kupfers wandert übrigens nach Asien in die Schmieden der Elektroindustrie. Laut Betreiber kann man noch weitere 50 Jahre fördern, bevor die Ressourcen versiegen.

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Heil Pickler!

Am frühen Morgen wache ich auf und bemerke, dass der Bus steht. Links und recht von uns: Nichts als Sand und Geröll. Vor und hinter uns: Stehende Busse, LKWs und Autos. Die Ursache: Wir sind in der Atacamawüste und die Minenarbeiter der Gegend haben beschlossen an diesem Tag zu streiken und die Straße zu blockieren. Wir sind noch etwa zwei Fahrtsunden von unserem Ziel San Pedro de Atacama entfernt. Nach etwa einstündigem Warten wirft der Busfahrer den Motor an, zieht nach links auf eine Holperpiste und fährt an dem ganzen Stau vorbei. Warum nicht gleich?

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Nach unserer Ankunft in San Pedro begeben wir uns auf ‘Wohnungssuche’. An Angeboten mangelt es nicht: An jeder Ecke drückt einem jemand ‘nen Flyer mit ‘nem Angebot in die Hand. Wir gehen dann mit einem verzottelten Typen mit, der uns eine tolle Unterkunft am Ortsausgang verspricht. Und in der Tat – zu einem vernünftigen Preis gibt es ein nettes Zimmerchen. Außerdem überzeugen der chaotische aber gemütliche Hof, auf dem sich der Haushund tummelt und die französische Bäckerei, die mit auf dem Gelände ist. Wir kaufen gleich mal ein leckeres Sauerteigbrot und vespern im Hof.

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Am nächsten Tag machen wir uns gemeinsam mit unseren Reisebekannten James und Matt auf ins Valle de la Luna (Mondtal) auf. Das Tal ist äußerst schön, doch leider haben wir die Tour mit einem empfohlenen Anbieter gebucht, und das ganze ist der bis dahin schlimmste Touriausflug unserer Reise: Fahren – Fotostopp – Fahren – Fotostopp – Fahren… Das ganze wird noch verschlimmert durch den Guide, der ununterbrochen seine Sparwitze zum Besten gibt, und das abwechselnd in zwei Sprachen. Unsere Empfehlung für Nachahmer: Fahrrad leihen und die Gegend per Rad erkunden.

Am Abend gehen wir zunächst in James’ und Matts Hostel, dort wird groß gefeiert: Ein großes Feuer und Alkohol machen die bitterkalte Nacht erträglich. Ein Chilene gesellt sich zu uns, und als wir uns als Deutsche zu erkennen geben, tönt ein ‘Heil Pickler!’ aus seinem Hals (wirklich, so wie bei Eiterpickel…). Wir wirken wohl verstört und ein anderer Chilene kommt hinzu und erklärt: Es handle sich um eine Abänderung des Führergrußes unter Verwendung des Wortes Pickles (in Essig eingelegtes Gemüse) – eine Adolf-Parodie sozusagen. Haha. Danach geht es weiter zu einer Party mitten in der Wüste. Eine dreiviertel Stunde laufen wir ungefähr, die Füße mittlerweile zu Eisklötzen gefroren – Feiern ist im Ort wohl nicht erlaubt. Die Party glänzt mit schlimmer Musik, ist aber trotzdem ganz witzig. Irgendwann kommt ein Chilene zu mir (ein richtiger Indigener, der wie ein Indianer aussieht) und fragt mich nach Name und Nationalität. Die Antwort lässt ihn vor mir salutieren und ‘Heil Pickler!’ rufen. Diesmal aber der echte Führergruß. Ohne Pickel. Spinner! Auf dem Nachhauseweg stellen wir fest, dass wir auf dem Hinweg die Grenzstation passiert und Chile somit verlassen hatten. Wir haben also im Niemandsland gefeiert. Verrückt!

Die Worte des Bäckers klingen noch in meinem Ohr als wir um 5 Uhr schlafen gehen: Wenn Du morgen früh um 8 Uhr kommst, hast Du die volle Auswahl. Also stelle ich den Wecker auf 8 Uhr und werde drei Stunden später geweckt. Völlig verkatert stolpere ich zum Bäcker, kaufe 5 Croissants und ein Baguette – für uns beide – und lege mich wieder schlafen. Wir essen zwei Tage lang an den Vorräten. Den Tag über machen wir nicht viel außer unseren Kater auszukurieren und eine Tour zur Salzwüste von Atacama und den umliegenden Dörfern und Seen für den nächsten Tag zu buchen.

Sterne, Schnaps und Sockenschwund

Nachdem wir Santiago im Schnelldurchlauf erkundet haben geht es im Nachtbus weiter zu Küstenstadt La Serena. Ausnahmsweise haben wir im Voraus ein Zimmer im Hostel Casa Maria reserviert, um uns die Sucherei in der Frühe (Ankunft 6:30 Uhr) zu ersparen. Leider reagiert niemand auf unser Klingeln, so dass wir uns doch noch auf die Suche begeben müssen. Wir landen in dem von Deutschen betriebenen Hostel El Punto. Für unseren Geschmack etwas zu Deutsch: Superkorrekt, supersauber, ungemütlich eingerichteter Gemeinschaftsraum (Kiefernholzgarnitur), der Ofen wird nicht angeworfen, obwohl es bitter nötig wäre. Dank freundlicher Gastgeber und guten Frühstücks lässt es sich trotzdem sehr gut aushalten. Um unserem Mangel an sauberer Wäsche Abhilfe zu schaffen, gehen wir (auf Empfehlung des Hostels) zur Wäscherei um die Ecke. Es handelt sich um die teuerste Wäscherei unserer ganzen Reise: Fast 20 Euro bezahlen wir für eine Ladung von 6 Kilogramm. Mangels Alternativen bezahlen wir und hoffen, dass sich der Preis im Service niederschlägt: Falsch gedacht! Die Wäsche ist später als vereinbart fertig, so dass wir am Ende fast unseren Bus verpassen. Zudem fehlen 4 Paar Socken. Eine intern geführte Abhakliste soll belegen, dass hier alles rechtens ist. Diskussionen in rudimentärem Spanisch helfen nichts. Was soll man da machen? Socken ade!

Die Stadt selbst hat außer ca. 3798 Kirchen und einer Shoppingmall mit Kino nicht viel zu bieten. Also gehen wir am ersten Abend zusammen mit der netten Engländerin Elinor ins Kino und schauen uns Ironman 3 an. Am nächsten Tag machen wir uns zu Fuß auf und wandern am Strand entlang ins 10 Kilometer entfernte Coquimbo. Im Laufe unseres Ausflugs gesellen sich drei Hunde zu uns. Der treueste von Ihnen (Eine Sie, wir nennen sie Chewy, wegen des Kaugummis in ihrem Fell) ist uns richtig ans Herz gewachsen. Sie folgt uns auf Schritt und Tritt, vor dem Supermarkt wartet sie auf uns und freut sich als wir wieder rauskommen. Bis wir zu guter Letzt in einen Bus einsteigen begleitet sie uns. Durch das Busfenster müssen wir mit ansehen, wie ein großer fetter Hund über sie herfällt und versucht sich an ihr zu vergehen. Wir fühlen uns schlecht.

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Das Highlight Coquimbos ist ein riesiges Betonkreuz, das am höchsten Punkt der Stadt errichtet wurde. Selbst vom 10 Kilometer entfernten La Serena ist es mit Leichtigkeit zu erblicken. Im Mittelteil des Kreuzes führen zwei Aufzüge nach oben. Durch die Fenster in den Seitenteilen hat man einen fantastischen Ausblick auf die Stadt und die Küste.

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Im Anschluss reisen wir von La Serena aus das Elqui-Tal hinauf. Hier, so behaupten die Chilenen, sei der Geburtsort des grappaähnlichen Gebräus namens Pisco. Um dieser Behauptung Nachdruck zu verleihen hat man vor einigen Jahren sogar das kleine Örtchen La Unión in Pisco Elqui umbenannt. Dort waren wir zwei Tagen lang, haben die schöne Gegend erkundet und eine Pisco Destillerie besucht.

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Auf dem Rückweg das Tal hinunter legen wir einen Stopp im Städtchen Vicuña  ein. Die geographischen Gegebenheiten der Gegend haben einen äußerst klaren Nachthimmel zur Folge. Die Sichtverhältnisse zählen zu den Besten der Welt, so dass Teleskope von Forschungseinrichtungen aller Herren Länder auf den Bergen der Gegend errichtet wurden. Wir fahren zu einem der Teleskope aus der Stadt hinaus, um Galaxien, Sterne und Sternbilder zu beobachten. Der Anblick der sich ergibt ist einzigartig: Abertausende von Himmelskörpern sind bereits mit dem bloßen Auge zu erkennen. Ein Arm der Milchstraße und das Zentrum zeichnen sich deutlich am Himmel ab. Sogenannte dunkle Nebel, die das Licht dahinterliegender Himmelskörper absorbieren, resultieren in dunklen Flecken am Himmel. Diese Flecken wurden von den Inkas als Tierbilder wie Schlange oder Lama interpretiert. Beim Blick durch das Teleskop werden dann Details sichtbar: Aus einem kleinen Punkt wird ein ganzer Sternhaufen, der Saturn hat plötzlich Ringe. Am nächsten Tag wandern wir auf den Cerro de la Virgen, ein kleiner Hügel am Stadtrand, der einen netten Blick auf die Stadt und in das Elqui-Tal bietet. Gegen Mittag fahren wir dann mit einem kleinen Bus, zurück nach La Serena, um von dort aus am frühen Abend die 18-stündige Busfahrt nach San Pedro de Atacama anzutreten.

Unter der Dunstglocke Santiagos

Nach einer zweistündigen Busfahrt von Valparaíso aus kommen wir in Santiago, der Hauptstadt Chiles, an. Mit der U-Bahn sparen wir uns noch fix 20 Gehminuten. Unsere Unterkunft ist das Hostel Casa Roja: Ein großes, villenartiges Herrenhaus, das von einem australischen Rucksackreisenden gekauft und mit viele Liebe zum Detail restauriert wurde. Von der Eingangstür bis zum Garten hinter der Küche sind es 70 Meter. Auf zwei Etagen bietet es Platz für etwa 100-150 Gäste. Leider geht aufgrund der Größe jedes Gefühl der Persönlichkeit verloren. Die Gruppen von Reisenden verlieren sich in dem Gebäude. Eine halbe Stunde nach uns kommen dann auch James, Mat und Maik an. Am Abend wird dann ordentlich (deutsch) gekocht: Es gibt Schnitzel mit Kartoffelbrei und Zucchini.

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Am kommenden Tag erkunden wir die Stadt zu Fuß: Schönes Wetter, volle Gassen, Straßenhunde mit Fleecepullover, Obdachlose, die im ausgetrockneten Flussbett campieren. Bei unserer Tour halten wir an verschiedenen Märkten an. In der Fleischabteilung werde ich (Daniel) gleich zweimal für einen Brasilianer gehalten. Und einmal werde ich, vor einem Gemüsestand stehend, von einer älteren Dame gefragt, ob ich auch Pilze verkaufe. Ich hab zwar selten große, blonde Lateinamerikaner getroffen, aber einigen scheine ich zum verwechseln ähnlich zu sehen 🙂

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Am dritten Tag treffen wir uns mit Helen, die wir in Valparaíso kennengelernt haben. Mit ihr besuchen wir das hiesige Pablo-Neruda-Haus – diesmal sogar von innen. Anschließend  ‘besteigen’ wir den höchsten Punkt der Stadt, den Cerro San Cristóbal, per Standseilbahn. Der Ausblick ist beeindruckend und die Smogglocke, welche über der Stadt hängt, wirkt wir eine riesige Nebelschwade. Als wir die Produktpalette eines Eisstandes dort oben beäugen werden Kindheitserinnerungen wach: Flutschfinger – hier gibt es ihn noch, oder wieder. Gemeinsam statten wir Markus einen Besuch in seiner Couchsurf-WG ab. Den Münchner haben wir mehrfach auf unserem Weg durch Patagonien getroffen, zuletzt in Bariloche, Argentinien. Nach diesem sehr schönen Tag geht es abends per Bus weiter nach La Serena.

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Valparaíso

Nach dem menschenleeren Patagonien haben wir uns auf den Weg gemacht die bevölkerungsreichsten Städte Chiles zu besuchen. Angefangen haben wir mit der Hafenstadt Valparaíso. 32 Hügel umgeben die Stadt. An deren Steilhängen und ins Tal in Richtung Küste quetschen sich unzählige Häuser und Treppen. Als wir aus dem Bus aussteigen und zusammen mit Maik, Matt und James zum Hostel fahren, ist es endlich mal wärmer und es fühlt sich ein bisschen wie eine schmuddelige, südeuropäische Hafenstadt an. Neben der Population hat hier die Hundekackedichte ebenfalls deutlich zugenommen. Aus den Gulllis muffelt es intensiv nach Zivilisation. Viele Häuser sind etwas verwohnt, aber trotzdem schön anzusehen und bunt verziert mit tollen Graffitis.

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Maik und wir kommen in einem Deluxe-Hostal in einem liebevoll renovierten Jugendstilhaus unter und freuen uns über ein feines Frühstück in netter Gesellschaft. Mittags treffen wir uns mit den anderen beiden zu einer Hafenrundfahrt und erkunden anschließend zu Fuß die Stadt. Auf jedem Hügel gibt es nette Plätzchen zum Hinsetzen, Leute spielen Gitarre, trinken Bier oder quatschen einfach nur gemütlich in der Sonne. Sympathische Stadt.

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Es folgt ein Gammeltag im Nebel mit einer lustigen Kneipentour – gegen 3.00 Uhr fallen wir ins Bett. Feiern kann man hier also auch. Tags drauf befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand: Chile hatte 1879 eine Seeschlacht gegen Peru gewonnen und dies wird jeden 21. Mai gefeiert. So auch in Valparaíso. Staatsbesuch, Militärparade, Studentenkravalle. Wir halten uns dem Getümmel fern und laben uns an unsrem neuen Lieblingsfastfood, dem Completo: Hotdog mit Tomaten, Zwiebeln, Avocadocreme, Mayo, Ketchup, Chilisoße und was die Tuben am Stand sonst noch so zu bieten haben. Am nächsten Mittag geht es auch schon weiter in die Hauptstadt.

Feuer, Eis und ganz viel Bier

Im schönen Pucón beziehen wir dank Nebensaison ein kleines Hüttchen mit Schwedenofen, den die beiden etwas ver- (oder besser ent-)rückt wirkenden Hostal-Damen täglich mit riesigen Holzklötzen befeuern. Kuschelig warm haben wir es also in unsrer Bleibe und draußen ist’s neblig und furchtbar kalt. Im Bus haben wir unsre ‘FitzRoy-Reisegruppe’ bestehend aus Maik, Matt, James und den beiden Israelis (Dafna und Begleiter) wiedergetroffen, Murielle ist schon in Pucón – wir sind wieder komplett. In den nächsten Tagen soll das Wetter besser werden und der dorfeigene Vulkan Villarica besteigbar sein. Einige Reisende warten schon seit Tagen auf diesen Moment, wie wir erfahren. Bis dahin vertreiben Daniel und ich uns die Zeit mit einem Besuch am Lago Caburgua und seinen zwei Ojos.

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Das Wetter lässt sich an unserem ersten Tag schon ganz gut sehen, wir wandern mehrere Stunden am Strand entlang, bewundern Wald und Umgebung und gewinnen gleich zu Beginn zwei neue Freunde, die uns die ganze Zeit begleiten. Beschützen tun sie uns allerdings nicht: begegnen wir großen Schäferhunden, verstecken sie sich hinter uns – na bravo 🙂

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Am Ortsausgang verlassen uns unsre Hunde. Wir kaufen bei einem alten Opa den bisher köstlichsten und günstigsten Käse und laufen zu den ca. 6 km entfernt liegenden Ojos de Caburgua; das sind kleine Wasserfälle mit azurblauen Wasserbecken. Es dauert nicht lange und wir werden von einem neuen Hundepaar auserwählt. Es läuft den ganzen Weg mit uns mit, wartet auf uns und als wir gegen Abend in den Bus nach Pucón steigen, rennen sie sogar dem Bus hinterher – nette Kerlchen. Abends treffen wir uns mit den anderen in ihrem Hostal zur Vulkaneinweisung – morgen ist es also soweit. Wenn das Wetter mitspielt, erreichen wir sogar den Gipfel, was laut Guide nur 60% der Leute gelingt… mal sehen.

Ausgestattet mit Helm, Eispickel, Steigeisen und Bergstiefeln fahren wir gegen 8.00 Uhr an den Fuß des Gipfels. Das erste Stück kraxeln wir flott bis zum Schilift. Dort wird es dann ernst, Steigeisen werden angeschnallt und Eispickel geschultert. 30 Minuten Stapfen, 10 Minuten Pause. Die Eiskruste knirscht unter den Füßen und im Rücken leuchtet das Tal in der Morgensonne. So schaffen wir uns langsam den Gipfel hoch. Kurz vor dem steilsten Stück brechen einige entkräftet ab. Wir laufen weiter. Schritt, Schritt, Eispickel in die Wand und wieder von vorne. Nach viereinhalb Stunden haben wir es geschafft und stehen am rauchenden, widerlich stinkenden Krater. Geniale Aussicht in alle Himmelsrichtungen: Nachbarvulkane, Seenland im Tal, stahlblauer Himmel. Der Wind frischt etwas auf und nach einer halben Stunde rufen die Guides zum Aufbruch.

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Runter ist’s fast noch anstrengender als nach oben. Dank Steigeisen und Eispickel, die sich in die Eiskruste graben, fällt keiner vom Berg und nach weiteren zweieinhalb Stunden sind wir wieder an der Bodenstation. Abends belohnen wir uns mit mehreren Runden Bier und einem riesigen Haufen von Pommes überbacken mit Chilisoße. Mmmmmmh – das haben wir uns auch verdient.