Von West nach Ost und zurück auf dem Río San Juan

Nachdem wir wieder in San Carlos angekommen sind, machen wir uns gleich nach El Castillo auf. Da das reguläre Boot bereits ausverkauft war, sind wir kurz später mit der Expressvariante gefahren. Das ist wirklich ein Höllengerät: An eine kleine “Plastikschüssel” wird ein 225 PS-Motor geschraubt. Kein Ingenieur hat das abgesegnet, der Mann vom TÜV würde beim Anblick einen Herzinfarkt bekommen. Die Strecke, für die das reguläre Boot drei Stunden braucht, legt die Rennschüssel in einer knappen Stunde zurück und saugt dabei etwa 50 Liter Benzin aus dem Plastikfass.

225ps festung

El Castillo ist ein kleiner Fischer- und Touriort mit einem spanischem Fort, das zur Verteidigung Granadas gegen Engländer und Piraten, die von der karibischen Seite Nicaraguas flussabwärts fuhren, von den Spaniern errichtet wurde. Dort bleiben wir zwei Nächte und besuchen das Naturreservat Indio Maís. Bis auf Schmetterlinge, Stechmücken, Giftfrösche und Spinnen sehen wir leider keine Tiere, dafür aber umso mehr Tierspuren (Jaguar, Puma, Tapir).

thekla frosch spur

In El Castillo treffen wir Joris wieder und reisen mit ihm zusammen den Río entlang bis hin zur Karibikküste nach San Juan de Nicaragua. Die Bootsfahrt dauert fast neun Stunden, ist aber trotzdem sehr kurzweilig, weil wir ganz mit dem Bewundern der Regenwaldlandschaft am Flussufer sowie der Krokodile (wild und nah), Affen und Vögel beschäftigt sind. Wir wollen dort die Ruinen der ehemaligen englischen Siedlung San Juan del Norte (Greytown) besuchen, was sich aber als schwieriger als gedacht herausstellt: San Juan de Nicaragua wird nämlich von einer Familie beherrscht, die das einzig funktionierende Hostal und das Tourismusbüro betreibt und ihre Hand über alle Aktivitäten des Dorfes zu halten scheint. So kann man die Ruinen nur im Rahmen einer kostspieligen Tagestour und nicht einfach so besuchen. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem unabhängigen Fischermann begeben, der uns dort hin fahren kann. Zunächst bekommen wir ein Zusage, nach über einer Stunde warten kommt dann doch noch die Absage. Die Gründe sind nicht durchsichtig – Mafia! Wir geben auf und machen stattdessen einen Ausflug zum Strand und den Lagunen auf der anderen Seite des Flusses.

karibikkueste kokodril

Am nächsten Morgen um 6.00 Uhr reisen wir wieder ab nach San Carlos. Joris und wir beide werden von einem Franzosen und einem Kanadier begleitet, die mit uns im Hostal untergekommen waren und den selben Eindruck von dem Dorf haben wie wir. Die Bootsfahrt dauert diesmal zwölf Stunden, aber ist nicht minder kurzweilig. Wir sehen unzählige Affen, Vögel, Schmetterlinge und gegen halb acht, ihr werdet es nicht glauben, sogar einen Jaguar, der am Flussufer trinkt – was haben wir doch für ein Glück! Daniel ist stolz wie Bolle, denn er hat ihn entdeckt. Da wir alle aus dem Staunen nicht rausgekommen sind, gibt es leider keine Beweisfotos…

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Wieder zurück in San Carlos war die Unterkunftssuche etwas widrig. Die Empfehlung vom Kanadier war belegt und sonst gab es viel Schrott für zu viel Geld. Letzten Endes sind wir dann in eine Absteige am Pier untergekommen. Für 7 Dollar die Nacht gab es sogar kostenlos Kondome 🙂

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In der Wildnis

Nach nur zwei Tagen auf der Insel Ometepe sind wir mit der Fähre Richtung San Carlos aufgebrochen. Die zwölfstündige Fahrt erfolgt bei Nacht, so dass man am frühen morgen am Ziel ist. Nach einem kurzen Imbiss haben wir uns um 9 Uhr morgens ins Boot gesetzt und sind ins Naturschutzgebiet Los Guatuzos am Fluss Papaturro aufgebrochen. Auf dem Weg zum Steg haben wir Verena und Sebastian wiedergetroffen, die ebenfalls dorthin fahren. Nach knapp vier Stunden fahren wir in die Mündung des Papaturro ein. Dort erwarten uns Unmengen von Viehzeug: Hohe Gräser, In den Bäumen sitzen Leguane und Affen, es fliegen Schmetterlinge und Vögel umher – very nice. Auf dem Boot sind auch Verena und Sebastian sowie der junge Franzose Joris.

aufmboot kurzvormziel

Abends kochen wir gemeinsam mit ihnen unter Schwerstbedingung: Alle Warnungen, was Moskitos angeht, bewahrheiten sich und in der offenen Küche der “Forschungsstation” wimmelt es nur so von den Biestern, die vom Lichtkegel der Stirnlampen angelockt den Weg in Nase und Mund finden. Pfui!

Am nächsten Morgen machen wir dann einen Ausflug in den angrenzenden Dschungel: Dort kann man den Wald teilweise auf Hängebrücken erkunden. Wir sehen hauptsächlich Affen und jede Menge Pflanzen. Kaimane und Schildkröten kann man in den Aufzuchtstationen bewundern. Der Umgang mit den Tieren ist allerdings sehr fragwürdig: Dem Kaiman wird mit dem Besen im Gesicht rumgefuchtelt, um seine Aggressivität zu demonstrieren, die Schildkröten werden teils als Haustiere nach Costa Rica verkauft.

affen kaiman schildis orchidee haengebruecke pflenzendings

Am Abend unternehmen wir dann noch eine Nachttour, um nachtaktive und schlafende Tiere zu beobachten. Die schlafenden Vögel könnte man wahrscheinlich mit der Hand vom Ast nehmen und in eine Tüte packen… Dass es sich um lebendige Exemplare handelt, erkennt man nur daran, dass sie auch beim Schlafen kacken.

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Nach einer zweiten Nacht im Dschungel Nicaraguas machen wir uns auf den Rückweg nach San Carlos, um von dort aus eine Bootsfahrt Richtung Karibikküste zu unternehmen.

Eine Insel mit zwei Bergen

Im Lago de Nicaragua, dem größten See Zentralamerikas, liegt die Insel namens Ometepe, die aus zwei Vulkanen, Concepción (1610 m) und Madera (1394 m), gebildet wird. Vom Ufer in Rivas aus kann man sie schon erblicken und ist sofort an Fantasy-Kulissen á la Walt Disney erinnert. Der See ist so riesig, dass er auf uns eher wie ein Meer wirkt. Die Fähre schaukelt auch ordentlich… Vomacur sei Dank muss ich (Jacqueline) aber keine Fische füttern.

ometepe

Unsere Unterkunft liegt am Fuß des Madera und da ich immer noch im Vulkanfieber bin, überrede ich Daniel, dass wir selbigen besteigen. Dies stellt sich allerdings als eine doofe Idee heraus, da der Pfad sich nach dem zwar anstrengenden, aber trockenen ersten Teil in eine matschige rötliche Schlammpampe verwandelt und bis zum Gipfel auch so bleibt. Das Schlimmste kommt noch: Nach 4 Stunden sau anstrengendem Gestapfe erreichen wir den Gipfel und sehen … NICHTS. So ist es halt im Nebelregenwald. Wir laufen weiter zur Lagune im Krater und können immerhin Wasser erkennen. Zum Glück hatte uns Daniel Stöcke geschnitzt, sonst wäre wir gar nicht den Vulkan rauf und wieder runtergekommen….

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Nach 8 Stunden sind wir ausgehungert, mit schmerzenden Beinen und völlig verdreckten Matschschuhen wieder in unserer Unterkunft und belohnen uns erst mal mit Bier und Suppe. Falls irgendwer von euch mal auf die Idee kommt den Madera zu besteigen, lauft nur bis zum Mirador, danach wird’s doof.

Ich will aber nicht nur Schlechtes über den Madera sagen. Ganz klasse sind die verschiedenen Vegetationszonen, die man durchwandert. Besonders der schummerige Nebelregenwald, in dem man nur Wind, Vogelrufe und Affengebrüll hört, hat etwas Geheimnisvolles.

Matagalpa

Hier dominiert der Anbau von Kaffee, welcher erstmals im 19. Jahrhundert von deutschen Auswanderern (insb. Katharina Braun) erfolgreich kultiviert wurde. Die ganz Stadt ist von Plantagen umgeben. Doch hier wächst das schwarze Gold nicht in öder Monokultur, sondern mitten im Wald. Davon haben wir uns während zweier Wanderungen überzeugen können. Im ‘Centro Girasol’ in Matagalpa kann man sich nämlich  fünf verschiedene Wanderwegbeschreibungen samt Karten für je 30 Cordoba (ca. 0,90 €) kaufen und so die Gegend erkunden.

kaffeeplantage schattenkaffee kaffeebeere sackgasse matagalpa kuhweide bananenweg amarylis pflanzeambaum

Hier treffen wir zufällig Verena und Basti wieder, denen wir in der Somotoschlucht schon mal über den Weg gelaufen sind. Wir kommen im selben Hostel unter und verabreden uns Samstagnachmittag gemeinsam die Schokoladenfabrik zu besuchen. Da diese nicht wie im Reiseführer angekündigt jeden Nachmittag aufhat, und Führungen am besten vormittags von Dienstag bis Samstag unternommen werden sollen (sonst sieht man die Produktion nicht), kosten und kaufen wir einfach nur Schokolade. Auf dem Rückweg in die Stadt beschließen dem Tag noch einen Sinn zu geben, zusammen ein paar Bier zu trinken und gemeinsam Essen zu gehen. Eine gute Alternative 🙂

Somotoschlucht

Von Estelí aus haben wir in einer Tagestour den Canyon von Somoto besucht und durchwandert. Hierzu startet man mit einem dem ersten Bus nach Somoto um 7:30 Uhr. Mit von der Partie sind Benoit und Caroline (Französisch-Kanada) und Chris (Panama). Nach ca. 2 Stunden sind wir in Somoto und werden vom Guide abgeholt. Zu siebt sitzen wir in einem Taxi (kein Jeep, sondern ein ganz normaler PKW), so dass bei jeder kleinen Bodenwelle die Hinterräder den Radkasten berühren. Der Guide Robin ist der jüngere Bruder des ‘berühmten’ Henry, der seinen Bruder an diesem Tag vertritt. Zunächst geht es zur Guidefamilie nach Hause, wo man sich umkleiden kann und bei Bedarf ein paar wasserfeste Schuhe bekommt. Hier sollte man auf keinen Fall die dünnen Neoprenschläppchen nehmen. Die fallen nämlich auseinander und das Laufen darin ist eine Qual (Jacqueline). Danach geht es mit dem Taxi zum Startpunkt und man läuft etwa 45 Minuten bis zum Fluss. Von da an watet man im Fluss und überbrückt teilweise schwimmend die Wegstrecken. Kameras etc. werden währenddessen Wasserdicht in Seesäcken verpackt. Die Eindrücke sind toll.

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Auf halber Strecke hat man die Möglichkeit eine Schräge an der Canyonwand zu ersteigen und den Sprung ins Wasser aus unterschiedlichen Höhen zu wagen. Ich (Daniel) bin aus acht Metern Höhe gesprungen, unser Guide aus 20 Metern. Uiuiui.

Auf dem Rückweg ging es durch schöne, grün bewachsene Landschaften. Der Canyon hat sich mittlerweile zu flachen Berghängen aufgeweitet und Kühe verbringen den Mittag an den Ufern.

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Wenn die beiden gewusst hätten, dass wir Ihren großen Bruder zum Abendessen verspeisen, hätten sie sicherlich nicht so nett geschaut…

Futtern wie bei Muttern

Nach über einem viertel Jahr makrobiotischer Ernährung (Mais, Bohnen, Reis) haben wir in Estelí die Rettung gefunden: In einem netten Gartenlokal (Hofladen eines Bauernhofs) vor den Toren der Stadt gab es leckere, nicht süße Brötchen (Für Kenner: Wie Bio-Roggen vom René) mit echtem Käse (Bergkäse und Brie). Welch’ eine Wohltat.

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Starker Tobak

Auf den ersten Blick haben in Estelí die Cowboys das Sagen, was man an den vielen Cowboystiefel- und Hutgeschäften unschwer erkennen kann. Geld wird in dieser Stadt allerdings mit Zigarren verdient. Estelí ist nämlich mitten im Tabakanbaugebiet gelegen und quillt über von Zigarrenfabriken. Eine davon haben wir besucht: Nach der Ernte werden die Tabakblätter zunächst getrocknet, dann fermentiert (widerlich beißender Geruch) und anschließend nach Verwendungszweck sortiert (links). Kleineres Blattwerk und Bruch werden in größere Blätter eingerollt (mitte) und in einer Presse auf Maß gebracht. Diese grobe Arbeit wird hier ausschließlich von Männern durchgeführt. Abschließend wird die Zigarre mit einem großen, unversehrten Stück Tabak eingewickelt (rechts). Dieser Schritt ist besonders wichtig, weil davon das Äußere der Zigarre abhängt und kann deshalb ausschließlich von Frauenhand durchgeführt werden (O-Ton Führer).

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Etwa 80 Prozent der Bevölkerung in Estelí ist in der Zigarrenherstellung beschäftigt. Ein Arbeiter verdient dabei etwa 4 Euro am Tag. Bei 8 Stunden am Tag und 5,5 Tagen die Woche kommt man da nicht mal auf 100 Euro im Monat.